COMMUNITY MUSIC: Mit Senior*innen

Dass über das Musizieren eine starke Gemeinschaft entsteht, kann in jedem Ensemble und Musikprojekt erlebt werden. Community Music macht sich diesen Effekt zunutze: Hier musizieren verschiedene soziale Gruppen und Einzelpersonen – über das gemeinsame Musikmachen entsteht Wertschätzung und ein Gemeinschaftsgefühl. Gleichermaßen steht jedoch auch eine musikalische Entwicklung im Fokus.

Im Alter wächst das Interesse, sich über das Musizieren neu zu identifizieren und in einer Gemeinschaft Musik zu erfahren. Auch körperliche und geistige Fitness spielen hier eine große Rolle. Besonders bei Menschen mit Kommunikationsproblemen durch Demenz oder Schlaganfällen kann die Musik auch ein Mittel zur Kommunikation und Stabilisierung sein.

Je nach Alter und Aktivität der Teilnehmenden unterscheidet sich das Musizieren mit älteren Menschen in Ansprüchen und Zielsetzungen.

In Ensembles von älteren aktiven Menschen ist die Motivation groß, genauso wie der Wunsch, zu lernen. Das Musizieren kann auf hohem Niveau geschehen, fit bleiben im Geist und Körper sowie das Erleben einer sozialen Gemeinschaft in gegenseitiger Wertschätzung sind hier zentral. Oft ist das Interesse an Herausforderungen und einem vielgestaltigen Repertoire groß, genauso wie an Bewegungen und unterschiedlichen Musikstilen. Körperliche Probleme, die sich in verminderter Virtuosität oder veränderter Stimmfunktion äußern, werden akzeptiert und wenn nötig kompensiert. Mit dieser Gruppe von Menschen kann auch über das reine Musizieren hinaus vielfältig kreativ gearbeitet werden: Tanz, Malen und Gestalten, Schauspiel, kreatives Schreiben, Flashmobs, Musiktheater u.v.m. sind hier möglich.

Bei älteren Senior*innen steigt oft die Angst, nicht mehr mithalten zu können und der Wunsch, Teil eines Ensembles zu sein, das langsamer agiert und Rücksicht auf körperliche und geistige Bedürfnisse nimmt. Das Repertoire sollte keinen zu großen Anspruch haben. Arrangements bekannter Stücke aus der Jugend werden leicht gelernt und gerne musiziert. Doch auch Melodien und Rhythmen aus anderen Kulturkreisen können hier erübt werden und Bewegungen Teil der musikalischen Arbeit sein. Diese Ensembles oder Projekte sollten bestenfalls vormittags oder nachmittags stattfinden, barrierefrei zugänglich sein und können auch ein gemütliches Beisammensein einschließen.

In der musikalischen Arbeit mit dementiell Erkrankten liegt der Schwerpunkt auf dem Abrufen von früher erlernten Mechanismen und dem Eröffnen von Fenstern zur eigenen Persönlichkeit: Über die Musik werden Erinnerungen und Emotionen lebendig, die Person kann ihre Identität vorrübergehend stabilisieren. Hier sollte die Möglichkeit bestehen, dass auch eine Bezugsperson teilnehmen kann und reibungslose Abläufe bzw. gleichbleibende Strukturen Sicherheit vermitteln.

Mit Senior*innen kann sehr gut im Ensemble gearbeitet werden: So spielen Fehler keine so große Rolle und sie sind in eine Gemeinschaft eingebunden. Je schwieriger das Musizieren mit dem Alter wird, desto eher eignet sich das Singen. Doch können etwa instrumental erfahrene Menschen mit Demenz auch noch länger in Instrumentalensembles mitwirken. Auch die Tischharfe eignet sich dafür: Sie steht für eine bequeme Haltung auf dem Tisch vor den Personen und kann mithilfe eines grafischen Musters gespielt werden.

Community-Music-Projekte mit älteren Menschen können auch für weitere Generationen offen sein und die Senior*innen dadurch sowohl klanglich als auch körperlich und organisatorisch unterstützt werden. Hier kann es auch Betreuungspartnerschaften mit anderen Ensemblemitgliedern geben. Maßgeblich für Anspruch, Lern- und Probengeschwindigkeit bleiben jedoch die Senior*innen. Interessante Themen können hier auch die Begegnung der Generationen sowie eine humorvolle Betrachtung von Generationenkonflikten sein.

Das Repertoire sollte von den Musizierenden mitbestimmt werden können bzw. auf sie zugeschnitten sein, dies besonders bei dementiell Erkrankten. Für Ensembles sind hier auch Kombinationen aus einer Probenzeit und einer freien Liederwunsch-Zeit möglich. Generell besteht bei älteren Menschen Interesse an Liedern aus der Kindheit und Jugend – bei der heutigen Generation älterer Menschen sind das Volkslieder, aber auch Kirchenlieder und Schlager – sowie an besonders bedeutungsvollen Liedern ihres Lebens. In Mehrgenerationenensembles sollte besonders bei der Verbindung von Kinder- und Seniorenchor das Repertoire gut auf die unterschiedlichen Stimmanforderungen angepasst sein.

IMPULSFRAGEN

  • Welche Gruppe von älteren Menschen sprechen wir an: Aktive, Hilfsbedürftige?
  • Welchen Anspruch haben sie?
  • Welche Bedürfnisse und Wünsche haben sie?
  • Welche Themen interessieren sie?
  • Welche Form soll stattfinden: Coaching, Musiktheater, Singen…?
  • Wo und wann kann das Musizieren stattfinden?
  • Wie kann Beisammensein stattfinden?
  • Wie kann Mitbestimmung stattfinden?
  • Wie können Partner*innen integriert oder neue Patenschaften etabliert werden?
  • Wie kann ein Mehrgenerationenensemble gestaltet werden? Welche Generationen werden einbezogen?
  • Welches Repertoire eignet sich?