MUSIKPÄDAGOGIK NEU DENKEN: Ältere Menschen

Die institutionelle Musikpädagogik richtet sich immer noch schwerpunktmäßig an Kinder und Jugendliche. Doch auch ältere Menschen und Senior*innen interessieren sich für eine musikalische Weiterentwicklung und spezielle Angebote für diese Gruppe stoßen auf hohe Resonanz.

Für ältere Menschen steht beim Musizieren und Musiklernen Anderes im Fokus als bei Kindern. Zum einen ist die Motivation groß, genauso wie der Wunsch, zu lernen, Geist und Körper fit zu halten und eine soziale Gemeinschaft zu erleben. Sowohl der Körper als auch Konzentration und Lerngeschwindigkeit sind etwas langsamer, Vorgänge wie Noten suchen, umblättern, lesen, Instrumente auspacken, Takte finden, hören etc. sind nicht mehr so einfach. Lehrende und Ensembleleitende sollten daher mit einem gewissen Anspruch, jedoch mit großem Wohlwollen und in langsamerem Tempo arbeiten. Mit Bewusstsein für die Stimme, Stütze und Fingerbeweglichkeit im Alter kann hier im Rahmen des Möglichen viel vermittelt werden.

Angebote für ältere Menschen können Instrumental- oder Gesangsunterricht sowie Chöre und Instrumentalensembles sein, die sich speziell an ältere Menschen richten und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Auch Coachings sind möglich: Hier können Ensemblemitglieder bei Bedarf im Einzelunterricht Fertigkeiten vertiefen oder externe Ensembles wie Hausmusikgruppen werden besucht und beim Musizieren unterstützt und angeleitet.

Zusätzlich können Angebote für Senior*innen und Demenzkranke eingerichtet werden. Dabei liegt der Fokus auf der gegenseitigen Unterstützung und Einbindung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Eine Bezugsperson sollte ebenso daran teilnehmen können. Diese Angebote können auch für weitere Generationen offen sein und die Senior*innen dadurch sowohl klanglich als auch körperlich und organisatorisch unterstützt werden. Sie sollten bestenfalls vormittags oder nachmittags stattfinden, barrierefrei zugänglich sein und können auch ein anschließendes Beisammensein bei Kaffee und Kuchen einschließen. Maßgeblich für Repertoire, Anspruch, Lern- und Probengeschwindigkeit bleiben hier die Senior*innen und/oder Demenzkranken.

IMPULSFRAGEN

  • An welche Gruppe von älteren Menschen wenden wir uns?
  • Welche Bedürfnisse, welche Interessen und Ziele hat diese Gruppe?
  • Welche Form könnte das Angebot haben (Unterricht, Ensemble, Coaching, Mischformen)?
  • Könnten Ensembles für Senior*innen und Demenzkranke ermöglicht werden?
  • Könnten Mehrgenerationenensembles ermöglicht werden?