THEATER UND BÜHNE: Digitalen Medien für Proben und Aufführung

Um ein Singspiel oder Konzert vorzubereiten, können viele digital-mediale Mittel genutzt werden. Besonders hilfreich ist das, wenn durch Corona die Präsenz-Probenplanung nicht absehbar ist: So kann auch außerhalb der Probenzeit Organisatorisches geklärt werden sowie eine selbstständige Vorbereitung der Musiker*innen stattfinden. In den Präsenzproben können dann die Abläufe vor Ort sowie die musikalische Arbeit fokussiert werden. Digital-mediale Mittel können darüber hinaus auch in der Aufführung genutzt werden und das Konzert oder Musiktheater und seine Umsetzung bereichern. 

Um die Kommunikation in der Probenarbeit zu erleichtern, ist es sinnvoll eine Plattform zu nutzen, auf der alles Wichtige gebündelt ist: Informationen, Ideen, Probenpläne, Einteilungen, Übedateien, Videos, Audios etc. Dafür eignen sich Kanban-Boards wie beispielsweise Padlet besonders gut. Hier können alle Mitglieder des Ensembles sich informieren und Dateien finden, aber auch selbst interagieren und Dateien einstellen (etwa ein Foto vom Stand des Kostüms) oder an einer Abstimmung zur Konzertanreise teilnehmen. Padlet kann von Kindern wie Erwachsenen bedient und in einem nicht-öffentlichen, auch passwortgeschützten Modus angelegt werden. Alternativ können Sie auch einen Cloud-Ordner teilen, etwa von Dropbox oder Google Docs. 

Am besten auf einer übersichtlichen Plattform, aber auch ohne, können Sie musikalische Übedateien bereitstellen. Hier eignen sich vor allem Singalongs/Playalongs, zusätzlich aber auch Playbacks ohne die eigene Stimme, zu denen eigenständig gesungen/gespielt werden kann. Hierfür können Sie Audio-Bearbeitungsprogramme wie z.B. Garage Band, Walk Band oder BandLab nutzen und die einzeln aufgenommenen Stimmen ganz einfach zusammenstellen bzw. jeweils bestimmte Stimmen weglassen. Besonders bei auswendig aufgeführten Musicals und Konzerten kann so sehr schnell eine Sicherheit in Gesangstexten, Aussprache, Melodien und Einsätzen erreicht werden. Bei instrumentalen Ensembles entwickelt sich bei den Musizierenden dadurch schneller eine rhythmische Stabilität und eine Vorstellung des gesamten Stücks. 

Außerdem lohnt es sich, Sprechtext-Übedateien bereitzustellen, etwa für Konzertmoderationen oder Liedtexte, aber insbesondere auch für Dialoge von Singspielen und Musicals. Gerade für Kinder, die sich beim Lesen noch schwertun, ist es hilfreich, Sprechtext zum Hören anzubieten. Hierfür kann beispielsweise das Textbuch szenenweise inklusive der Rollennamen vorgelesen werden. Wer möchte, kann aus diesen vorgelesenen Texten auch »Speakalongs« der Dialoge machen: Dazu werden in einem Audiobearbeitungsprogramm (z.B. Garage Band, Walk Band oder Band Lab) einfach alle Stellen der jeweiligen Rolle aus der Spur geschnitten. In diesen Pausen kann die Person nun beim Üben den Text ihrer Rolle sprechen. Die Sprechtexte können zusätzlich auch mit den Musicalsongs verbunden und/oder in Videos mit Entwürfen der Bühnenszenerie hinterlegt werden. 

In Programmen wie z.B. Scratch kann mithilfe von vorgefertigten Figuren und Hintergründen digital bequem eine Bühnenszenerie entworfen werden, die dabei hilft, eine visuelle Vorstellung der Szene und Stückabläufen zu entwickeln. In den Proben haben die Teilnehmenden dann bereits eine räumliche Orientierung und kennen die groben Abläufe. Auch Probenvideos von Choreografien und Szenen können während des Projekts bereitgestellt und dadurch zu Hause noch einmal nachgesehen und Abläufe eigenständig geübt werden. Nicht nur den Darstellenden, sondern auch der Leitung bzw. regieführenden Person können diese Videos im Probenprozess helfen, den Überblick zu behalten. 

Als Vorbereitung für eine Aufführung können auch Klänge gesammelt werden. Das kann eine Rechercheaufgabe für Kinder sein, aber auch Effekten im Stück oder der Erstellung einer Soundscape, einer »Klanglandschaft«, z.B. für den Einlass oder die Pause dienen. Dabei werden die einzelnen Aufnahmen zusammengefügt und überlagert. Als Soundscape kann beispielsweise Vogelgezwitscher die Atmosphäre schaffen für ein tierisches Singspiel in der Natur oder Meeresrauschen für ein Konzert mit Shantys. Für Effekte in Stücken oder Konzerten könnten z.B. Autogeräusche und Hupen eine Ankunft/Abfahrt symbolisieren, ein lautes Aushauchen ein gruseliges Geistergeräusch werden oder ein passendes Naturgeräusch das nächste Stück einleiten. Bei der Aufführung können diese Klänge nicht nur als Soundscapes und Effekte eingesetzt werden, sondern auch zur Interaktion dienen: So könnte das Publikum z.B. beim Einlass auf einem bereitstehenden Tablet einzelne Klänge an- und abwählen und dadurch die Soundscape individuell verändern (z.B. mit Garage Band/Walk Band oder Loopy HD). 

Auch Projektionen sind in Aufführungen in vielen Bereichen sehr hilfreich. Meist benötigt man dazu nur einen Beamer, eine Leinwand bzw. einen Hintergrund und einen Laptop mit einem gängigen Präsentationsprogramm. Hier können Fotos, Videos, Audiodateien, Texte und Effekte zusammengestellt und live in der Aufführung weitergeklickt werden – sogar von der Bühne aus. Projektionen können zum einen ein aufwendiges Bühnenbild ersetzen (z.B. durch gemeinfreie Fotos aus Internetbibliotheken oder in Scratch erstellten Szenerien), aber auch Szenenwechsel ohne großen Umbau schnell verdeutlichen. Zum anderen können vorgefertigte Videos Einsicht in Chats/Briefeschreiben geben oder Szenen an anderen Orten (z.B. dem allseits bekannten Eiscafé am Ort, dem Badesee) miteinbeziehen. Auch das Publikum kann von den Projektionen profitieren: Etwa durch das Anzeigen von Übersetzungen fremdsprachiger Gesangstexte, Mitsingtexten, Mitspielnoten/-akkorden oder interaktiven Abstimmungen. 

IMPULSFRAGEN 

  • Welche Aspekte von Probenarbeit gibt es in diesem Projekt? 
  • Was wäre hilfreich, dass eigenständig erarbeitet wird, um die Präsenzproben so selten und effektiv wie möglich stattfinden zu lassen? 
  • Welche Mittel können dabei helfen, schneller und eigenständig zu lernen? 
  • Wie können Informationen, Ideen und Probenhilfsmittel anschaulich gebündelt und kommuniziert werden? Wie können wir interagieren und uns darüber austauschen? 
  • Wie können Klänge und Projektionen dabei helfen, Szenerien und Handlungen darzustellen? 
  • Wie können mediale Mittel das Publikum miteinbeziehen?