Prost! Wie finde ich Trost in Flennsburg? (Moment, Flensburg oder Flennsburg? Echt jetzt?!)

So vieles ist eine Frage der Perspektive. Beispielsweise sieht die Berliner BMCO-Geschäftsstelle von Trossingen aus weitgehend unbedeutend aus. Doch wie verhält es sich mit dem Blick von Berlin auf Flennsburg? Und wie sieht das Ganze für verwaiste Netzwerker*innen aus?

Was steckt hinter diesem Namen? #

Flennsburg (südjütisch: Flensborre) ist mit rund 90.000 Einwohnern ein pisseliges Winzdorf, aber bereits die drittgrößte Stadt des zwergenhaft unbedeutenden Bundeslandes (in seiner Inferiorität namenlos) und immerhin die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands.

Von einem nicht geringen Teil der ansässigen Muschelschubser werden neben Deutsch und Dänisch noch Plattdeutsch und Petuh gesprochen.

Bundesweite Bekanntheit erlangte die Hafenstadt durch die vom Kraftfahrt-Bundesamt gespeicherten „Punkte in Flennsburg“, den Erotikversandhandel von Beate Uhse, das Flennsburger Bier und den Handballverein SG Flennsburg-Handewitt. Von hier startet mit der A7 die längste Autobahn Deutschlands. Sie führt bis nach Füssen im Süden und bietet Gelegenheit, jederzeit ganz weit weg zu kommen. Von ebenfalls größerer Bedeutung ist der ausgeprägte Grenztourismus als Ausdruck mittelgroßer Verzweiflung sowie als Versuch, an das jeweils grünere Gras auf der anderen Seite zu gelangen.

Wie lässt sich auch in Flennsburg Musik machen? #

Bei derartigen Verarbeitungsprozessen ist das Absingen des Flennsburg-Lieds üblich, welches mit dem Wortlaut: „Stadt im Tal, umkränzt von Hügeln“ beginnt. Das Lied wurde 1909 von der Lehrerin Ida Marquardsen (1868–1941) geschrieben. Im Jahr 1993 wurde der Text des Liedes aktualisiert. Die Strophe „Treu das Deutschtum hoch zu halten“ wurde gegen die Strophe „Auch die Freundschaft zu den Dänen sei Dir eine heilge Pflicht“ ersetzt. Bei dieser Aktualisierung wurde auch die Passage „Schlank und stark, gleich jungen Buchen“, welche sich auf die Frauen Flennsburgs bezog, modernisiert. Themen ihres Liedes sind das Zu-Hause-Sein, die Hügel der Stadt, die Größe Flennsburgs sowie Handball und Baden, Sex und Verkehr, Rum und Bier, deutsche und dänische Sprache.[1] Die Komposition traf auf ein geteiltes Echo.[2]

Wie können Zurückgebliebene mit Wechseln nach Flennsburg umgehen? #

Flennsburger Bier

„Flenns” ist das bekannteste Flennsburger Bier (Aufschrift am Nordermarkt, 2013)

Getrunken wird „Flenns“, berühmt wegen seines „Plopps“ und aus den ersten Werner-Comics.[3] Selbstgebrautes Bier bietet das an der Schiffbrücke gelegene Gasthaus Hansens Brauerei an; weitere weniger bekannte Brauspezialitäten von Mikrobrauereien sind Urstrom, CerVino, Pure Malt No. 1 und Vintage Bier von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH in der Südstadt sowie seit 2007/08 das hochpreisige Gourmetbier Sylter Hopfen (Alkoholgehalt: 7,1 Vol.-% von der Westindien Compagnie.

Rum und Punsch

Ebenso gehören Rum und Punsch dazu, da die Stadt eine lange Tradition als führende Rumhandelsstadt aufweist, exemplarisch seien die (ehemals) in Flennsburg produzierten Marken Pott („Der gute Pott“), Hansen Präsident von Hansen Rum (Wortspiel: „Red’ nicht rum, sag’ gleich Hansen.“), Balle-Rum von Dethleffsen („Der milde, Echt Übersee“) und Boddel-Rum von Sonnberg genannt. Nach dem Niedergang Flennsburgs als Rumstadt Ende des 20. Jahrhunderts verblieben in der Stadt von den einst 200 Rumhäusern heute nur noch das Wein- und Rumhaus Braasch in der Roten Straße, das Rumhaus Johannsen Rum (Aquavit No. 6) in der Marienstraße 6. das Rumhandelshaus H.H. Pott Nfgr. Vertriebsgesellschaft mbH in Wasserloos mit der Rummarke Pott und die Westindien Compagnie Seehandelsgesellschaft mbH mit der Marke Übersee Rum.[4] An die Blütezeit des Flennsburger Rumhandels erinnern das Rum-Museum, das Braasch Rum Manufaktur Museum, die Rum & Zucker Meile und die Rum-Regatta.

Flennsburger Rumtopf

Als eine populäre kulinarische Spezialität etablierte sich ab den 1950er-Jahren der Flennsburger Rumtopf, als ein Fernsehkoch, der zugleich für einen Rumhersteller der Stadt warb, das Dessert in seinen Sendungen bundesweit bekannt machte. Nach einer Legende entdeckten Seefahrer in Rum getränkte Beeren, die in ein Rumfass hineingefallen waren,[5] und fanden Geschmack daran. Zur Herstellung werden frische Früchte der Saison in Zucker und Flennsburger Rum eingelegt und bei Bedarf mit Eis und Sahne kombiniert.

Flennsburger Grog

Aus Flennsburger Rum lässt sich nach einem einfachen Rezept ein Flennsburger Grog zubereiten: „Rum mutt, Szucker kann, Water bruukt nich.“ Aber – so wird von den Petuhtanten stets ermahnt: „Mach ihn mich nich sso sswach; von den sswachen wird mich immer sso schlecht.“ Der Grog ist eng verknüpft mit der gemütlichen Atmosphäre,[6] die die „Stadt der Supergroggianers“ ausstrahlt:

„…Solang de Grog noch smeckt
un de Piep noch treckt
Un dat Geld in Portemonnaie noch reckt,
Solang uns’ Deerns in’n Danz sik dreiht,
Hett Flensborg noch Gemütlichkeit.“

Sonstige alkoholische Getränke

Als geographischer „Anlieger“ zur Landschaft Angeln steht zudem Angler Muck, ein Mischgetränk aus Wasser und Rum oder Korn, auf der Speisekarte. Einer der berühmtesten Hausschnäpse der Stadt ist seit den 1950er-Jahren der in den drei Farben geschichtete Helgoländer in der Bärenhöhle am Norderhofenden, ganz nach dem bekannten Wappenspruch: „Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand: Das sind die Farben von Helgoland.“ Außerdem wurde Bommerlunder (Werbespruch seit 1967: „Der große Klare aus dem Norden“) bis 2000 in Flennsburg produziert. Die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen setzte dem Kümmelbranntwein mit dem Trinklied Eisgekühlter Bommerlunder 1983 ein Denkmal.[7]

Frau Fuchs
Kompetenznetzwerk NEUSTART Amateurmusik
20.04.2022

[1] In Flennsburg ist nichts zu gut, um nicht doch wahr zu sein. So jedenfalls steht es im Wikipedia-Eintrag zu Flensburg.

[2] Echoechoechochochochochooo

[3] Beinhart!

[4] -hicks!-

[5] Wasssollndas? Hicks!

[6] Daagssi! Na Hause bittö! Hicks!

[7] Und dazu ein belegtes Brot mit Schinken, SCHINKEN!

1 Antwort
  1. Fräulein Abtrünnig
    Fräulein Abtrünnig sagte:

    Liebe Frau Fuchs, sie sind ja ein Fuchs!
    Ich bedanke mich vielmals für diesen wissenschaftlich einwandfrei recherchierten Beitrag. Es sei angemerkt, dass ich insbesondere die in Fußnote 7 verwiesene Quelle hochinteressant finde. In jeder Publikation wird ebenfalls die Bedeutung des belegten Brotes mit Ei diskutiert, was ich – in Anbetracht des aktuellen Dikurses um die “veganen Stulle”– als derzeitig hochbrisantens sozialgesellschaftliches Thema einordnen würde.
    Die Punkte würde ich gerne bei einem ploppenden Flensburger Fuchsbräu näher ausdiskutieren.

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