Wie kann ich mit meinem Ensemble trotz Probenverboten in Kontakt bleiben?

Während der Pandemie können wir nicht mehr so musizieren wie bisher. Doch trotz der massiven Einschränkungen ist es für alle Ensembles überlebenswichtig, in Kontakt zu bleiben und die Gemeinschaft, sowie den sozialen Zusammenhalt und das Vereinsleben – so gut wie eben möglich – zu pflegen und lebendig zu erhalten. Der folgende Beitrag soll Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie Ihr Ensemble durch Engagement und Solidarität in der Pandemie zusammenhalten können.

Einleitung und Ermutigung die Gemeinschaft aufrechtzuerhalten #

Chöre und Orchester leben von ihrer Gemeinschaft und sind tragende Säulen unserer Gesellschaft. Es ist daher sehr wichtig, in Kontakt und im Austausch zu bleiben, auch wenn keine Proben und Konzerte in Präsenz möglich sind. Kleine Gesten der Aufmerksamkeit sind dabei ein wirkungsvolles Instrument der Wertschätzung und berühren die Menschen tief im Inneren. Weiterhin sollten digitale Probenformate nicht per se ausgeschlossen werden.

Die Organisation und Umstellung auf alternative Proben- und Konzertformate sowie die Kontaktaufnahme in Pandemie-Zeiten sind durchaus mit einigem Mehraufwand verbunden.

Zudem besteht die Schwierigkeit, je nach Zusammensetzung und Struktur des Ensembles, geeignete Möglichkeiten und Wege zu finden, bei denen sich keiner „abgehängt“ oder vernachlässigt fühlt. Beim Digitalisierungsgrad ist auf die technischen Möglichkeiten und die jeweilige Affinität der Mitglieder einzugehen. Idealerweise können Hilfestellungen für Ausstattung und Installation benötigter Software angeboten werden.

Es handelt sich in der folgenden Auflistung um einen Auszug an Ideen und positiven Beispielen, die uns bereits über verschiedene Kanäle erreicht haben. Ihrem eignen Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

In Kontakt bleiben #

  • – Regelmäßige Infomails, Briefe oder Rundschreiben über aktuelle Situation, Erinnerungen an Konzerte sowie gemeinsame Erlebnisse aus der Vergangenheit und möglicher Ausblick auf künftige Ziele und Vorhaben, alternativ: Videobotschaften
  • – Sozialer und gedanklicher Austausch in Form von WhatsApp-Gruppen, Kommunikation in sozialen Netzwerken, persönlichen Telefonaten, Teilen von kreativen Gedanken und Schöpfungen von Mitgliedern (z.B. Gedichten, DIY-Ideen)
  • – Virtueller Austausch oder Stammtisch: Statt zu proben, kann man sich über Zoom, Jitsi Meet, MS Teams, Skype, Cisco Webex, BigBlueButton, GoToMeeting, Konzertmeister App u.a. treffen und plaudern –> CAVE: Besonders ermutigen möchten wir Sie darüber hinaus auch eine Probenarbeit mit neuen digitalen Formaten selbst zu testen und auszuprobieren, auch wenn das natürlich ein Proben in physischer Präsenz nicht ersetzen kann (weitere Infos dazu s.u.)
  • – Kleine „Aktionen“ und Kreativität bei der Umsetzung Corona-konformer Alternativen für geplante Feste und Veranstaltungen (z.B. Lieferservice für Senioren*innen, Outdoor-Treffen mit haushaltsgetrennten Tischen, Outdoor-Stände zum Anschauen oder aktiven Mitwirken, vereinzelte Kontakte und Sparziergänge im Freien, gemeinsame Radtouren, Treffen mit Einhaltung von Mindestabständen und AHA-L-Regeln, virtuelle Spieleabende oder Weinproben)
  • – Als Ensemble an virtuellen Challenges teilnehmen z.B. Karaoke-Challenge (gebt dem/der anderen ein Lied vor, das er/sie spielen soll) oder Klopapier-Challenge

Wertschätzung zeigen #

  • Kleine Gesten der Wertschätzung an Chor-/Orchester-Leiter*innen und ehrenamtlich Engagierte z.B. in Form von Dankesbriefen, kleinen Spenden, persönlichen Geschenken oder Gutscheinen, etwas selbst Gebasteltem, Bilderkollagen
  • Lob & Anerkennung für Engagement und Einsatz aussprechen und direkt adressieren
  • Jedes Mitglied kann seine Hilfsbereitschaft für Organisationsaufgaben, Anschreiben, digitale Verwaltung, technischen Support u.a. anbieten. Denkbar sind auch “Patenschaften”, bei denen technikaffine Ensemblemitglieder sich eine/n Partner*in suchen, den er/sie unterstützen kann.
  • Hoffnungsbriefe z.B. an Senioren*innen, Singles und einsame Mitglieder schreiben
  • Bilder oder Aufnahmen vom Ensemble verschicken, so dass man stolz auf bisherige Erfolge ist und sich der Freude & Begeisterung bewusst wird, die das gemeinsame Musizieren entfacht.

Digitale Probenarbeit #

  • Chor-/Orchester-Leiter*innen können Übe-Files für verschiedene Stimmen/Register erstellen und verschicken, damit privat geübt werden kann (Schwierigkeit, wenn kein Ziel/Auftritt in Ausblick ist). Daher auch denkbar, dass bestehendes Repertoire aufgefrischt wird und die eigene Stimme ergänzend zu der Aufnahme gesungen oder dazu gespielt werden kann.
  • Tutorials oder Materialien zu Werkhintergründen, Notenlehre, Stimm-/ Gehörbildung oder Rhythmusschulung mit Klatschen bieten sich für musikalisch gut ausgebildete Chöre sehr gut als Überbrückung an. Möglich sind auch Wahrnehmungs- oder Körperübungen.
  • Einzelstimmbildung bzw. Einzelregisterproben oder Chor-/Orchesterproben über digitale Plattformen als Pilotprojekte ausprobieren.
  • Virtuelle Aufführungen in Form von einzeln aufgenommenen und anschließend zusammengefügten Videos, die auf YouTube oder der eigenen Homepage hochgeladen werden können – so sind schon einige großartige und mutmachende Projekte umgesetzt worden (Bsp.: Freude schöner Götterfunken – Chöre des Liederkranz Albeck, Music was my first love – John Miles (Virtuelles Blasorchester Version) oder Praise God, from whom all blessings flow (Virtual Choir by Pueri Cantores International)

Schlussbemerkung #

Die genannten Beispiele sollen Ihnen als Anregung und Inspiration dienen, offen zu bleiben, neue Wege auszuprobieren und sich durch die Corona-Pandemie nicht unterkriegen zu lassen. Wo dieser Kraftakt gelingt und der Kontakt in den Ensembles bestehen bleibt, wird man dann auch gestärkt und „neu“ aus der Krise hervorgehen. In diesem Zusammenhang ist noch zu betonen, dass hier lediglich freiwillige Angebote geschaffen werden können und die konkreten Nöte und Sorgen aller Mitglieder unbedingt und zu jeder Zeit ernst zu nehmen sind.

Alles Gute und bleiben Sie in Kontakt!

Johanna Mörmel
Allgemeine Cäcilien-Verband für Deutschland
17.02.2021

4 Kommentare
  1. Josef Thiesen
    Josef Thiesen sagte:

    Hallo liebes Redaktionsteam!
    Erst mal ein Riesenkompliment und ein großes Dankeschön für die Erstellung dieses Portals!
    Ich habe eine Frage zu Übe-Files und Stimmauszügen:
    Werden beim Erstellen und Verbreiten dieser Daten irgendwelche GEMA- oder sonstige Nutzungsgebühren fällig? Oder sind die mit dem Kauf der Noten bereits abgegolten? Werden die Rechte Dritter verletzt?
    Viele Grüße
    Josef Thiesen, Chorleiter

    Antworten
    • Ralf Schöne
      Ralf Schöne sagte:

      Der Kauf von Notenmaterial berechtigt nicht automatisch zu einer vollumfänglichen Nutzung. Vor allem Bereiche außerhalb der Aufführung von Musik, z.B. die Herstellung von Tonträgern oder die Internetnutzung, erfordern womöglich Zustimmungen der Urheber. Grundsätzlich gilt in der Bundesrepublik, dass urheberrechtlich geschützte Noten nicht kopiert oder vervielfältigt werden dürfen. So ist es beispielsweise legal, Noten zur Herstellung von Übefiles zu verwenden; werden solche Noten jedoch in einem Übevideo abgebildet oder sonst wie im Layout des Rechteinhabers eingebunden, ist das illegal. Geht es lediglich darum, Übedateien für einen Chor zu verwenden, die selbst hergestellt sind und nicht an Dritte, schon gar nicht gegen Entgelt, weitergegeben werden, ist die Nutzung sicherlich unkritisch.

      Noch ein Tipp: bei YouTube gibt es mittlerweise Unmengen von Übedateien. Vielleicht gibt es das von Ihnen benötigte dort schon, und Sie können sich jede Menge Arbeit ersparen.

      Antworten
  2. Stefan Schröder
    Stefan Schröder sagte:

    Guten Morgen,

    es wird wieder wärmer, ich möchte und könnte mit meinem Kinderorchester im Freien proben. Wir sind schon längst darauf eingerichtet (Marschbücher und Marschgabeln).

    In den Corona-Verordnungen wird beim SPORT unterschieden zwischen „drinnen“ und „draußen“. Bei Chören und Bläserensembles jedoch scheinbar nicht nicht. Hier scheinen mir die Verordnungen nur für den „worst case“, also „drinnen“ gemacht zu sein.

    Nun zu meiner Bitte:
    Können Sie darauf hinwirken, dass künftig auch bei Ensembles zwischen „draußen“ und „drinnen“ unterschieden wird? Dann könnte man vielleicht Wochen oder gar Monate wieder mit den Proben (im Freien) beginnen. Das wäre doch ein schöner Erfolg!
    Oder wird bereits zwischen „draußen“ und „drinnen“ unterschieden und ich weiß es nur noch nicht?!

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Schröder

    Antworten
  3. Michael Weber
    Michael Weber sagte:

    Daran wird schon gearbeitet und einige Bundesländern haben es auch umgesetzt.
    Proben im Freien sind sicher den Innenräumen vorzuziehen, sind aber auch abhängig von den allgemeinen Kontaktbeschränkungen und den örtlichen Vorschriften.

    Antworten

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