Wie gestalte ich ein Konzertprogramm unter Corona-Bedingungen?

Die momentane Situation mit ständig neuen Verordnungen sorgt überall für Verunsicherung. Noch darf vielerorts nicht einmal geprobt werden. Wir hoffen alle, dass sich das bald ändert. Dann braucht Ihr Ensemble wieder ein Ziel, auf das es hinarbeiten kann. Idealerweise ist das natürlich eine öffentliche Aufführung. Aber was muss bei der Vorbereitung dafür beachtet werden und wie kann die Programmzusammenstellung aussehen?  

CORONA INFO

Bitte beachten Sie bei der konkreten Konzertplanung auch immer die in Ihrer Region aktuell geltende Corona-Schutzverordnung: Corona-Regelungen

Außerdem benötigen Sie für eine öffentliche Veranstaltung ein genehmigtes Hygienekonzept: Wie muss ein Hygienekonzept aussehen und wer ist verantwortlich?

Anregungen für die Suche nach großen Räumen, welche sich momentan besonders gut zum Proben und für Konzerte eignen, finden Sie hier: Wie finde ich einen Probenraum 

Weitere Informationen: Grundlagen für das Musizieren unter Pandemiebedingungen, Modulares Schutzkonzept für Proben und Konzerte

Wie lang sollte das Programm maximal sein?  #

Wie wir inzwischen wissen, stellen Aerosole die größte Ansteckungsgefahr bei Corona dar. 

Daher hängt diese Frage ganz maßgeblich von der Größe und den Lüftungsmöglichkeiten ihres Konzertraumes ab. In einem großen und hohen Raum, vielleicht sogar mit moderner Lüftungsanlage kann man natürlich länger ohne großes Ansteckungsrisiko gemeinsam musizieren, als im heimischen Wohnzimmer.  

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Art des Musizierens. Beim Musizieren im Streichquartett kommt es zu einem wesentlich geringeren Aerosol-Ausstoß, als bei einem Bläserensemble oder beim Chorgesang. 

Eine gute Orientierung bieten hier Modellrechner, mit deren Hilfe anhand von Parametern wie Raumvolumen, Personenzahl, Aktivität und Belüftungsmöglichkeit das Infektionsrisiko durch Aerosole abgeschätzt werden kann. Mehrere solcher Modellrechner sind inzwischen online, zum Beispiel vom Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin oder vom Max-Planck-Institut für Chemie.

Unabhängig von Corona-Bedingungen und Ansteckungsgefahren sollte nach ca. 60 Minuten das Konzert beendet bzw. eine Pause eingelegt werden. Langjährige Erfahrungen von Theatern zeigen, dass spätestens nach dieser Zeitspanne die Konzentration des Publikums rasch nachlässt. 

Sollte man mit oder ohne Pause planen?  #

Natürlich ist es reizvoll, die Programmdauer zu verlängern, indem man eine Pause einplant. Aus dramaturgischer Sicht kann dies manchmal sogar besonders sinnvoll sein, wenn etwa unterschiedliche Stilistiken, Zeitepochen, Genres oder Besetzungen präsentiert werden. Auch die Tatsache, dass zu einem rundum gelungenen Konzerterlebnis für Viele ein angeregtes Pausengespräch einfach dazu gehört, ist durchaus ein akzeptabler Grund.  

Schließlich gibt es auch technische Gründen, die eine Pause zum Beispiel für Umbauten hilfreich oder gar notwendig machen. Bei einem Chorkonzert hat man es häufig mit der Herausforderung zu tun, dass für die Ausführenden keine Sitzmöglichkeiten vorhanden sind und der Chor die gesamte Konzertdauer über stehen muss. Ein A-cappella-Programm ließe sich aus dieser Sicht also sowohl in zwei kleineren Konzerthälften mit Pause als auch einteilig mit instrumental unterbrochenen Programmblöcken planen. Wäre da nicht das Risiko der Pause… 

Je nach den Gegebenheiten des Konzertraumes kann eine Pause natürlich sinnvoll genutzt werden, um mehr oder weniger gründlich zu lüften. Studien haben aber gezeigt, dass der Aerosolgehalt im Raum durch Stoßlüften allein, abhängig auch vom Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenluft, nicht vollständig abgebaut werden kann. Nur eine moderne Lüftungsanlage mit Frischluftzufuhr kann einen kompletten Luftaustausch leisten. Eine etwaige zweite Konzerthälfte muss daher in jedem Fall kürzer geplant werden. 

Was Sie jedoch auf keinen Fall außer Acht lassen sollten, ist die Disziplin ihres Publikums.  

In der Pause kommt es erfahrungsgemäß am ehesten zu Verletzungen der Abstands- und Hygieneregeln. Da wird beim Verlassen des Platzes der Mund-Nasen-Schutz vergessen oder im lebhaften Gespräch der Abstand nicht eingehalten. Das ist völlig normal und menschlich, stellt aber in unserer momentanen Situation ein schwer kalkulierbares Risiko dar und bedeutet für den Veranstalter eine extreme Herausforderung. 

Alternativ kann mit einer möglichst kurzen Umbau- und Lüftungspause geplant werden, bei der das Publikum auf seinen Plätzen bleibt. Eventuell hilft ein/e Moderator*in, diese Zeit zu überbrücken.  

Was sind „coronataugliche Werke“ und wo finde ich sie?  #

Die geltenden Abstandsregeln lassen es momentan leider nicht zu, Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ aufzuführen. Abhängig von der Größe ihres Konzert- oder Probenraumes können Sie nur in mehr oder weniger kleiner Besetzung musizieren. Das ist einerseits natürlich bedauerlich, birgt aber andererseits die Chance, sich neu zu orientieren und sich anderes, vielleicht auch ungewohntes Repertoire zu erschließen. So kann nach ein wenig Recherche ein abwechslungsreiches Konzertprogramm entstehen. 

Nach dem ersten Lockdown haben einige Ensembles im Sommer 2020 bereits gute Erfahrungen mit „Hauskonzerten“ gesammelt. Dafür konnte schon bei noch recht strengen Kontaktbeschränkungen in kleinen Gruppen geprobt werden. Es wurden kammermusikalische Werke in möglichst kleiner Besetzung erarbeitet, und als die ersten Lockerungen in Kraft traten und Konzerte wieder möglich machten, konnte man sein Publikum schon bald mit einem vielfältigen Programm erfreuen. Dieses Format hatte zusätzlich den Reiz, dass auch Sie selbst Ihre Ensemble-Mitglieder einmal von einer anderen Seite erleben konnten. Daran lässt sich nun anknüpfen. 

Allerdings wird sich nicht jeder Amateur-Musizierende in einem solchen, quasi solistischen Programm wohlfühlen. Manche warten vielleicht lieber, bis das Musizieren in etwas größeren Gruppen wieder erlaubt ist. Dann kann es sinnvoll sein, das Ensemble zu teilen und Werke zum Beispiel nur in Streicherbesetzung oder nur mit der Bläsergruppe, bzw. mehrere klein besetzte Werke in wechselnder Zusammenstellung zu erarbeiten. Vor allem für Chorsänger*innen ist der einzuhaltende Mindestabstand eine gewöhnungsbedürftige Herausforderung. Ging es bisher immer darum, den Kontakt beim Musizieren zu spüren, aufeinander zu hören und sensibel gemeinsam zu reagieren, hat dieser Anspruch nun mit einer räumlichen Entzerrung auch eine völlig neue akustische Dimension erreicht. Ein „Verstecken“ hinter sicheren Sänger*innen ist in dieser Konstellation kaum noch möglich. In der Praxis bedeutet das, längst nicht alle Musikstücke sind für eine Aufführung geeignet. 

Bei der Suche nach entsprechenden Kompositionen wird man nicht nur bei der klassischen Musikliteratur fündig. Spannend kann es auch sein, sich auf die vielfältige Literatur auch populärer Musik zu konzentrieren. Für ein Orchester können zum Beispiel Salonorchesterarrangements eine wunderbare Ergänzung zu den gewohnten klassischen Kammermusik- und Streichorchesterwerken sein. Hier liegen einerseits viele bekannte Kompositionen in der Bearbeitung für variable kleine Besetzungen vor und andererseits zahlreiche unbekannte kleine Werke, Tänze und Charakterstücke, welche direkt für Salonorchester komponiert wurden. Natürlich sind diese Werke und Bearbeitungen durchaus von unterschiedlicher Qualität. Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, Salonorchesterliteratur von vornherein als „seichte Unterhaltungsmusik“ abzulehnen. Im Bereich des Chorrepertoires hat Popularmusik erheblich an Umfang gewonnen. Zahlreiche neue Arrangements sind erhältlich. Die vielen gut ausgebildeten Chordirigent*innen können sich zudem bei der Erstellung eigener Bearbeitungen ihre Kreativität und ihr Wissen um die Leistungsfähigkeit des eigenen Ensembles zu Nutze machen. 

Zur Recherche nach entsprechenden Werken können Sie den „Nürnberger Katalog“ des BDLO heranziehen. In diesem Katalog ist die gesamte gängige Orchesterliteratur mit genauen Besetzungsangaben erfasst. Die erweiterte Suchfunktion ermöglicht es außerdem, nach bestimmten Besetzungen zu filtern. 

Bei der Beratung zu Chormusik helfen gerne die Verlage. Auch die Recherche in Portalen wie YouTube bringt zielführende Anregungen. 

Insbesondere bei jungen Ensembles erfreut sich Filmmusik großer Beliebtheit. Hierfür möchte ich die Seite filmmusicservices.de empfehlen. Film Music Services ist ein Ansprechpartner für konzertante Aufführungen von Filmmusik, Video Games Music und Musical Songs. Dieses Repertoire liegt inzwischen auch in „coronakompatiblen“ Arrangements vor. Darüber hinaus sind in den vergangenen Monaten zahlreiche reduzierte Fassungen von beliebten Nummern aus Opern und Operetten sowie aus der sogenannten „leichten“ Unterhaltungsmusik entstanden. 

Barbara Weidlich 
Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e.V. 
Mitarbeit: Ralf Schöne
Verband Deutscher KonzertChöre e.V.
26.02.2021 

Weitere Links:

Wo finde ich aktuelle Regelungen der Bundesländer in Bezug auf Corona?

Wo finde ich aktuelle Regelungen von (Erz-)Diözesen/Bistümern und Landeskirchen in Bezug auf Corona?

 

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