Nachhaltige Verpflegung für Mitwirkende bei Konzerten

Was Sie generell bei der Planung und Auswahl der Speisen und Getränke für Mitwirkende beachten können und besonders, was Sie beim Thema Nachhaltigkeit berücksichtigen können, verrät Ihnen dieser Artikel.

Mit leerem Magen musiziert es sich nicht gut. Darum sollten Sie bei der Veranstaltungsorganisation von bspw. Konzerten, Probenwochenenden oder Freizeittagen an die Verpflegung der Musiker*innen und Mitwirkenden wie Helfer*innen denken.

Inhalt

Einkauf

Nachhaltige Speisen und Getränke zuzubereiten bzw. anzubieten, ist gar nicht so schwer. Verwenden Sie, wenn möglich saisonale, regionale und Bio-Produkte. Ein Saisonkalender gibt Aufschluss, wann in Deutschland welches Obst oder Gemüse Saison hat. Zusätzlich kann man auf Herkunfts- und Produktionsbedingungen achten, die z.B. mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet sind. Die gleichen Aspekte können Sie auch berücksichtigen, wenn Sie Speisen oder Getränke bei Dienstleistenden bestellen – nachfragen lohnt sich.  

Zu einem nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln gehört auch, Mengen möglichst genau zu kalkulieren, nur die benötigten Mengen einzukaufen, keine Lebensmittel wegzuwerfen und mögliche Reste kreativ zu verwerten. Je weniger verarbeitet die Lebensmittel sind, desto einfacher lassen sie sich als Beilage, in der Suppe, als Brotaufstrich oder ähnlichem kreativ am nächsten Tag oder bei der nächsten Mahlzeit wiederverwenden. Reste können in mitgebrachten Vesperdosen oder bereitgestellten Behältnissen aus nachhaltigen Materialien an die Teilnehmenden verteilt werden.  

Beim Einkauf greifen Sie am besten zu unverpackten Lebensmitteln, loses Obst und Gemüse kann man gut in den vielerorts erhältlichen Obst- und Gemüsenetzen verpacken. Fragen Sie doch auch mal beim Bäcker, Metzger, Bauern etc. im Ort nach oder besuchen Sie den Wochenmarkt. Hier können Sie sich direkt nach Herkunfts- und Produktionsbedingungen erkundigen und sich auch im Hinblick auf Lagerung und Zubereitung der Produkte beraten lassen. Werden große Mengen eines Produktes benötigt, können Sie Großpackungen kaufen, die enthalten weniger Verpackungsmüll. Wenn Fleischprodukte auf den Teller kommen sollen, versuchen Sie weniger und dafür hochwertige Produkte einzukaufen. Eine fleischarme oder -freie Ernährung mit mehr Gemüse kann sogar Geld sparen, auch wenn hochwertige Produkte verwendet werden. Bei Obst und Gemüse sind regionale und saisonale Lebensmittel aus Freilandanbau die beste Wahl. Sollten die Produkte in dieser Form nicht verfügbar sein, ist nicht-regionaler Freilandanbau (z.B. aus Spanien) besser als aus beheizten Gewächshäusern in Deutschland.  

Um beim Geschirr und dem Verkauf von Speisen auf Nachhaltigkeit zu achten, sollten statt Plastikgeschirr und Einwegbesteck lieber Mehrweggeschirr und -besteck verwendet werden. Bei manchen Veranstaltungen können die Teilnehmenden auch Teller/Besteck und Becher selbst mitbringen. Oder beim Catering werden nur Speisen/Fingerfood angeboten, für die eine Serviette ausreicht, oder die z.B. direkt im Brot oder essbaren Behältnissen ausgegeben werden können („Pack in´s Brot System“).

Für die Kalkulation der benötigten Mengen sollten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden: Mitwirkenden-Struktur (Kinder/Erwachsene/Senioren, Männer/Frauen), die Ernährungsform der erwarteten Personen, Jahreszeit und Wetter, Uhrzeit und andere Rahmenbedingungen wie etwa die zur Verfügung stehende Zeit zum Essen. Kalkulieren Sie maximal einen Sicherheitszuschlag von 10–20 % ein.

Probenwochenende

Beim Probenwochenende in Selbstversorgerhäusern kann schon bei der Anmeldung auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Wenn vegetarische Verpflegung als Standard angeboten wird und fleischhaltige und vegane Ernährung wählbare Optionen sind, verzichten manche der Teilnehmenden eher auf fleischhaltige Ernährung. Übrigens: Diejenigen, die gerne Fleisch essen möchten, brauchen das nicht unbedingt jeden Tag mittags und abends. Versuchen Sie dann, die vegetarische Kost möglichst lecker, abwechslungsreich und ansprechend zu gestalten. Nur, wenn die Teilnehmenden hier positive Erfahrungen machen, lässt sich dauerhaft der Fleischkonsum reduzieren und niemand wird vergrault.

Für jede*n das Lieblingsfrühstück? Das ist gar nicht so schwierig. Dafür einfach die fertige Müslimischung durch einzelne Komponenten wie Flocken, Cornflakes, Nüsse, (Trocken-) Obst und Schokostückchen ersetzen und dazu Joghurt sowie Kuh- und Pflanzenmilch anbieten. Im Handumdrehen hat sich jeder sein eigenes Lieblingsmüsli gemixt.  

Wie wäre es außerdem, nachhaltige Ernährung gezielt zum Thema zu machen? Organisieren Sie doch mit Ihrem Ensemble ein Klimadinner oder besuchen Sie Bauernhöfe in der Region und sprechen in diesem Zusammenhang über Essgewohnheiten der einzelnen Personen. Auch die Mithilfe im Selbstversorgerhaus ist keine verlorene Zeit, sondern kann eine wertvolle gemeinsame Erfahrung sein.  

Beim Thema Getränke ist es bereits ein großer Mehrwert, wenn jede*r eine eigene Trinkflasche mitbringt und diese mit (gratis) Leitungswasser auffüllt, anstatt Mineralwasser zu trinken. Leitungswasser ist in Deutschland eines der am besten überwachten Lebensmittel und fast überall bedenkenlos genießbar. Eine wiederverwendbare Ensemble-Trinkflasche aus nachhaltigen Materialien ist bspw. auch ein schönes und praktisches Weihnachtsgeschenk für die Ensemblemitglieder. Wenn es doch mal etwas fruchtiger schmecken soll, greifen Sie zu regionalen Säften und mischen einfach eine Schorle, anstatt die bekannten Softdrinks aus dem Supermarkt zu kaufen.  

Konzert

Auch bei Konzerten kann es wichtig sein, an Verpflegung für Musizierende und Helfende zu denken. Je nach Uhrzeit und Ablauf kann es Sinn machen, davor, in der Pause oder danach etwas zu essen und zu trinken anzubieten. Von der Ausgestaltung ist vom kleinen Snack wie Obst, Müsliriegeln, Brezeln oder belegten Brötchen bis hin zu Pizza, einem Buffet oder einer warmen Suppe alles denkbar. Vor dem Konzert sollte eher etwas Leichtes, nicht zu Schweres angeboten werden. Je nach Witterung freuen sich die Anwesenden entweder über kalte Erfrischungsgetränke oder einen heißen Tee. Abhängig vom Ablauf des Konzertes kann auch eine Wasserflasche für die Musiker*innen hinter der Bühne platziert werden.

Präsentation der Speisen und Getränke

Generell sollten alle Speisen und Getränke ansprechend angerichtet werden, z.B. mit Obstscheiben oder frischen Kräutern. Je schöner hergerichtet, desto lieber greifen die Mitwirkenden zu und desto besser schmeckt es am Ende.

Insbesondere Allergiker*innen oder Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren oder aus religiösen oder anderen Gründen auf bestimmte Lebensmittel verzichten, freuen sich über die Kennzeichnung der Speisen am Buffet. Auf einem Schildchen kann ein einzelner Bestandteil angegeben (z.B. Nüsse, Gluten) oder die Ernährungsform (z.B. vegan/vegetarisch) gekennzeichnet werden. Wer regelmäßig mit der gleichen Gruppe unterwegs ist, kennt vermutlich schon gewisse Vorlieben oder Unverträglichkeiten und kann gezielt danach Beschriftungen anpassen und Speisen auswählen.  

Ein paar Worte zur Hygiene

Achten Sie darauf, dass kühlpflichtige Produkte durchgängig gekühlt werden, sowohl bei der Lagerung, als auch bei der Ausgabe der Speisen. Auch warmzuhaltende Speisen sollten Sie stets bei richtiger Temperatur lagern und ausgeben. Jede*r, der/die mit den Lebensmitteln oder Speisen in Kontakt kommt, sollte sich vor und nach deren Kontakt die Hände waschen, gegebenenfalls auch zwischendrin, bspw. wenn vegetarische Speisen nach fleischhaltigen Speisen angefasst werden. Für die Ausgabe des Essens verwenden Sie am besten Zangen, (Schöpf-)Löffel, Tortenheber oder ähnliches – für jedes Behältnis jeweils eigenes Servierbesteck. Der Kontakt der zu verpflegenden Personen mit dem Essen sollte möglichst nur auf deren eigenem Teller stattfinden. Je nach Personenanzahl können auch Abdeckungen der Speisen am Buffet oder Helfer*innen, die die Speisen ausgeben, eine Möglichkeit sein. Benutztes Geschirr sollte nicht mit noch zu verzehrenden Lebensmitteln in Kontakt kommen und zeitnah abgespült werden.

Tipp: Wenn Sie die Verpflegung in Ihrem Ensemble nachhaltiger gestalten und keine Lebensmittel verschwenden wollen, ist es empfehlenswert, Personal, Helfer*innen und Mitwirkende für das Thema zu sensibilisieren und darüber zu informieren.

Checkliste

  • Kann die Veranstaltungsstätte Verpflegung anbieten?
  • Kann die Veranstaltungsstätte Getränke anbieten?
  • Gibt es eine Mindestabnahme für Getränke?
  • Können die Getränke auf Kommission bestellt werden? (Nicht Verbrauchtes kann zurückgegeben werden)
  • Gibt es bei den Kosten Gestaltungsmöglichkeiten?[1]
  • Angebote einholen
  • Getränke/Essen bestellen
  • Anlieferung/Abholung klären
  • Rückgabe Leergut/Überschuss vereinbaren
  • Kühlraum/-schrank mieten/bestellen
  • Spülmöglichkeit anfragen
  • Becher/Gläser, Geschirr, Besteck bestellen
  • Putzmittel, Spülmittel, Geschirrtücher bereithalten[2]

Sabrina Lindemann
Bundesverband Amateurmusik Sinfonie- und Kammerorchester e.V. (BDLO)
Erstellt: Dezember 2022
Zuletzt bearbeitet: Mai 2023