Im Projekt „Inklusives Singen“ gestalteten Menschen mit geistigen Behinderungen aus einem inklusiven Chor regelmäßig musikalische Abende für Menschen mit Demenz. Besonders bedeutsam war dabei die ausgeprägte Fähigkeit der Chormitglieder, offen und unbefangen Kontakte aufzubauen sowie ihrem Gegenüber authentisch und empathisch zu begegnen. Dadurch fiel es allen Teilnehmenden leicht, sich einzubringen – sei es durch aktives Singen und Musizieren oder durch das akustische, sinnliche und visuelle Erleben der gemeinsamen Aktivitäten.
Der am Projekt beteiligte inklusive Chor war zuvor neu gegründet worden und setzte sich aus Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen, die sich im Vorfeld in speziellen Workshops gezielt auf Auftritte mit Menschen mit Demenz vorbereitet hatten. Dazu gehörte unter anderem, die teilnehmenden Sänger*innen mit geistiger Behinderung für den Kontakt mit Menschen mit Demenz zu sensibilisieren und sie zu eigenständigem Handeln in Anleitung und Moderation zu ermutigen.
Nach dem Einstudieren eines Repertoires mithilfe lautmalerischer Elemente und unterstützender Bewegungschoreografien bot der Chor in zwei Senioreneinrichtungen wöchentlich kurze Auftritte sowie gemeinsame Singangebote für Menschen mit Demenz an, die auf große Resonanz stießen. Unterstützende Materialien und visuelle Elemente machten die Lieder für das Publikum besser erfahrbar, etwa durch geprobte Klangbilder. Für diese Klangbilder verwendete der Chor Gegenstände und Instrumente aus der basalen Stimulation (achtsame Sinnesreize). Die Lieder wurden zudem mit biografischen Impulsen verknüpft und schufen so eine gemeinsame Basis für neue Kontakte und gemeinsame musikalische Erfahrungen.
Stimmen aus dem Projekt
„Manchmal ist ein Lächeln beim Wiedererkennen eines Liedes schon die größte Reaktion, manchmal kannten die Teilnehmenden mehr Strophen als wir selber. Eine Teilnehmerin konnte, als ich anfing ‚John Maynard‘ vorzulesen, das halbe Gedicht auswendig aufsagen. Die Gesamtstimmung war während und nach den Aktionen immer sehr fröhlich und gelöst.“
Martin von Hoyningen Huene, Projektleitung und musikalische Leitung