Das Projekt „LEBEN“ fokussierte sich auf Menschen mit demenziellen Einschränkungen, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Lage auf Unterstützung bei Alltagsaktivitäten angewiesen sind und in einer stationären Pflegeeinrichtung leben. Ziel war es, durch inklusive Gesangsangebote kognitive und körperliche Prozesse zu aktivieren und kulturelle Teilhabe niedrigschwellig zu ermöglichen. Vor jeder Singeinheit konnten die Bewohner*innen selbst entscheiden, ob sie teilnehmen möchten – entsprechend setzte sich die Gruppe immer wieder neu zusammen.
Alle zwei Wochen bot eine Gesangspädagogin ein solches „Mitmachkonzert“ an, bestehend aus Volks- und Kirchenliedern, Shantys, Schlagern, Weihnachtsliedern und Kanons. Die Liedauswahl entstand spontan durch Zurufen oder gemeinsam angestimmtes spontanes Singen. Zuvor fanden darüber hinaus für eine erfolgreiche Biografiearbeit Gespräche mit den Angehörigen sowie dem Pflegefachpersonal statt, um herauszufinden, welche Musikstücke den Senior*innen besonders vertraut oder bedeutsam sind. Im Vorfeld und während der Mitmachkonzerte entstand so ein Repertoire an vertrauten Melodien, auf das zurückgegriffen werden konnte.
Im Mittelpunkt stand das schöne gemeinschaftliche Erlebnis: Die Senior*innen erinnerten sich an frühere Lebensphasen, in denen sie die Lieder gehört oder selbst gesungen hatten. Die regelmäßigen Einheiten brachten Abwechslung in den Pflegealltag und sorgten für eine fröhliche Atmosphäre, die oft über die Singzeit hinaus anhielt. Ergänzend wurden freiwillige Bewegungsangebote integriert, bei denen gezielte Übungen zur Stärkung der am Singen beteiligten Muskelgruppen zum Einsatz kamen. Diese Kombination aus Musik und Bewegung stärkte Atemmuskulatur, Körperspannung und Stimme.
Die Greifswalder Mitmachkonzerte bereichern nun auch weiterhin – in leicht vereinfachter Form – das kulturelle Angebot des Pflegeheims.
Stimmen aus dem Projekt
„Eine Bewohnerin der Pflegeeinrichtung war bei allen Terminen anwesend, die demenzielle Erkrankung der Dame ist aber bereits so weit fortgeschritten, dass sie meist in ihrem Rollstuhl saß und ‚döste‘, nicht mitsang oder sich auf andere Weise aktiv einbrachte.
Bei einer Singeinheit stimmte die Gruppe das Lied ‚Der Frühling hat sich eingestellt‘ an und von einem Moment auf den anderen wachte die Dame auf und konnte das Lied sofort auswendig mitsingen. Es war, als ob das Lied sie aus ihrem ‚Dämmerzustand‘ geweckt hatte. Dass sie sofort mitsingen konnte, zeigt, dass Melodie und Text in ihrem Gedächtnis vorhanden waren und abgerufen werden konnten.“
Frank Dittmer, Projektleitung