Der Leitgedanke des Projekts „Mit Musas musikalisch in die Vergangenheit“ bestand darin, durch Musik positive Erinnerungen aus früheren Lebensphasen zu wecken und die damit verbundenen Gefühle erlebbar zu machen.
In drei Senioreneinrichtungen fanden wöchentliche aktivierende Musizierstunden statt – mit Liedern und Schlagern aus der Jugendzeit der teilnehmenden Menschen mit Demenz und ihrer Familien. Das Pflegepersonal sprach die Zielgruppe direkt an und informierte über das Angebot. Mit Bewohner*innen, die das Bett nicht mehr verlassen konnten, wurde individuell auf den Zimmern musiziert.
Passend zu Jahreszeit oder Feiertagen sangen vier Gruppen mit jeweils zehn Personen traditionelle Volkslieder oder alte Lieblingslieder aus der Jugend der Teilnehmenden. Die Musik machte Erinnerungen lebendig und weckte Geschichten über Weihnachten, Sommererlebnisse und vieles mehr.
Neben dem Singen und dem Hören von Musik kamen kleine Instrumente zum Einsatz, die es ermöglichten, haptisch am Rhythmus teilzunehmen oder sich zur Musik zu bewegen. Die Teilnehmenden stärkten ihr Körpergefühl je nach körperlicher Verfassung und persönlichen Wünschen durch Sitztänze, Schunkeln oder Klatschen.
Die engagierte, animierende Leitung der wöchentlichen Treffen machte selbst die Teilnehmenden wacher und begeisterter, die anfangs nur wenig aktiv waren, und zog sie mit den gemeinsamen Liedern, Rhythmusspielen und Bewegungsübungen zunehmend mit.
Um die Gruppenbindung zu stärken, schwangen alle gemeinsam Tücher oder warfen sich Bälle zu, während sie den entsprechenden Liedern zuhörten. Die Teilnehmenden sangen auf Wunsch Lieder wie „Schneeflöckchen Weißröckchen“, die bereits zu Beginn des Treffens gesungen worden waren, einfach nochmals.
Die Leitung nahm diese Wünsche bewusst auf – die sichtbare Freude der Teilnehmenden war eine direkte Rückmeldung für diese wertschätzende Atmosphäre. Auch außerhalb der musikalischen Stunden berichtete das Pflegefachpersonal, dass ihnen viele der Teilnehmenden im Alltag ruhiger, offener und zufriedener begegneten als zuvor.
Stimmen aus dem Projekt
„Ein besonderer Moment war zudem, als ein Mann, der oft teilnahmslos wirkte, unsere Dozentin beim Verteilen der Percussion-Instrumente anschaute und sagte: Nein, das Klavier ist mein Instrument.
In dem Seniorenheim gibt es ein Klavier, sodass sie dann zusammen dort hingegangen sind. Der Mann hat lange für alle gespielt und war danach sehr erschöpft, aber auch glücklich. Die Pflegekräfte erzählten, dass er schon sehr lange nicht mehr gespielt habe.“
Carsten Klein, 1. Vorsitzender des Blasorchesters Seevetal e. V.