
Das Projekt „Musikcafé – wir laden ein ins Pflegeheim“ umfasste ein vielfältiges Programm, das insbesondere durch regelmäßige Sing- und Musizierstunden mit ehrenamtlichen Musikpat*innen geprägt war, die alle zwei Wochen im Pflegeheim stattfanden. Ergänzt wurde dieses regelmäßige Angebot durch ein abwechslungsreiches Jahresprogramm, das offenes Singen mit Angehörigen oder Nachbar*innen bei Kaffee und Kuchen, ein Konfirmand*innenprojekt sowie gemeinsame Singstunden mit Kitakindern einschloss.
Zweimal wöchentlich musizierten die Teilnehmenden zusätzlich auf den Etagen des Pflegeheims Waldeseck. Ehrenamtliche Musikpat*innen holten dabei die Bewohner*innen aus den Zimmern ab, sangen gemeinsam mit ihnen und nahmen sich im Anschluss Zeit für persönliche Gespräche. Auf dem Programm standen jahreszeitlich passende Volkslieder und Schlager mit Gitarrenbegleitung sowie kleine Bewegungsspiele.

Da viele Bewohner*innen nicht mehr gut lesen konnten, wurden die Lieder auswendig gesungen. Das Erlernen kurzer, einprägsamer Liedexte war auch für Menschen mit fortgeschrittener Demenz weiterhin gut möglich.
Ergänzend zum gemeinsamen Musizieren besuchte eine Musikpädagogin bettlägerige Bewohner*innen, um sie mit individuell ausgewählter Instrumentalmusik auf der Gitarre oder Tischharfe zu erreichen und zu erfreuen. Mit interessierten Bewohner*innen wurde zudem außerhalb der Gruppenangebote in ihren Zimmern auf der Tischharfe oder mit Handglocken musiziert.

Damit dieses Angebot dauerhaft bestehen konnte, hatte das Pflegepersonal die Möglichkeit, entsprechende Fortbildungen zu absolvieren. Darüber hinaus öffnete sich das Pflegeheim mit mehreren Veranstaltungen nach außen und lud Angehörige sowie Nachbar*innen zu Kaffee, Kuchen, offenem Singen und gegenseitigem Austausch ein. Dabei wurden jene Lieder gesungen, die auch in den regelmäßigen Musikstunden im Mittelpunkt standen.
Gemeinsam mit Konfirmand*innen aus der benachbarten Kirchengemeinde sangen die Bewohner*innen einfache christliche Kanons, die zur jeweiligen Jahreszeit passten. Die Begegnungen erforderten eine einfühlsame Vor- und Nachbereitung, da viele Jugendliche erstmals engen Kontakt zu hochbetagten Menschen mit starken Beeinträchtigungen hatten. Trotz anfänglicher Unsicherheiten entwickelten sich liebevolle und wertschätzende Begegnungen zwischen Jung und Alt, sodass das Angebot fest für die nächste Konfirmationsgruppe eingeplant wurde.
Nach Absprache mit dem örtlichen Kindergarten besuchte zudem eine Gruppe von Kitakindern mehrmals das Pflegeheim. Kinder und Bewohner*innen bildeten feste Paare, die sich wöchentlich wieder zusammenfanden, gemeinsam ein Tuch im Rhythmus bewegten oder sich ein Klanginstrument teilten.
Alle Angebote verfolgten ein gemeinsames Ziel: Berührungsängste im Umgang mit dem Thema Demenz abzubauen, glückliche Momente zu schaffen und Menschen, die das Haus kaum noch verlassen können, durch gemeinsames Musizieren gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Stimmen aus dem Projekt
„Meine Motivation dieses Projekt durchzuführen war, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern glückliche Stunden zu ermöglichen und ‚die Welt‘ zu ihnen ins Haus zu holen. (…) Die guten Erfahrungen aus diesem Musikprojekt, werden Alt und Jung noch lange in guter Erinnerung bleiben – denjenigen, die von Demenz betroffen sind, als Gefühl, und allen anderen als positive soziale Erfahrung für ihr weiteres Leben.“
Judith Augustin, Pastorin und Projektorganisatorin