Quartett-Spiele: Musikalisches Arbeiten mit Menschen mit schwerer Demenz in Kleingruppen

Das Projekt „Quartett-Spiele“ richtete sich an Bewohner*innen des Marthahauses mit fortgeschrittener Demenz, die größere Gruppen nicht mehr gut bewältigen können. Für diese Zielgruppe war ein geschützter, individueller Rahmen besonders wichtig – geschaffen durch feste Abläufe, Kleinstgruppen und einen ruhigen Raum.

  • Anbieter Marthahaus Halle
  • Kurzbeschreibung Singen, Tanzen, Musizieren
  • Zielgruppe in Pflegeeinrichtung, Pflegefachpersonal, Menschen mit Demenz
  • Ensemble Vokal + Instrumental
  • Förderprogramm Länger fit durch Musik
  • Ort Halle (Saale), Sachsen-Anhalt

Das Projekt „Quartett-Spiele“ richtete sich an Bewohner*innen des Marthahauses mit fortgeschrittener Demenz, die größere Gruppen nicht mehr gut bewältigen können. Für diese Zielgruppe war ein geschützter, individueller Rahmen besonders wichtig – geschaffen durch feste Abläufe, Kleinstgruppen und einen ruhigen Raum.

Jedes Quartett setzte sich aus zwei betroffenen Personen, einer musikaffinen Pflegekraft und einer musikpädagogischen Fachkraft zusammen. Die Musikpädagoginnen übernahmen zusätzlich die Rolle der „Quartett-Meisterinnen“, die ihre Kleingruppe koordinierten und verantworteten.

Zu Beginn trafen sich die Kleingruppen einmal wöchentlich für eine halbe Stunde. Auf Wunsch und durch die positive Resonanz der Teilnehmenden verlängerte sich die gemeinsame Zeit nach und nach auf eine ganze Stunde.

Die „Quartett-Spiele“ folgten keinem Leistungsanspruch. Je nach Situation und Tagesform konnte Musik im Mittelpunkt stehen – oder auch in den Hintergrund rücken. Unterschiedliche Literatur und Instrumente wurden erprobt, bis sich herauskristallisierte, was den Teilnehmenden guttat und Freude bereitete. Gelang die gemeinsame Quartett-Stunde besonders gut, entstand eine Mischung aus Plaudern, Wiedererkennen, Musik hören, Musizieren und Singen. Die „Quartett-Meisterin“ begleitete je nach Situation mit Gitarre, Klavier oder Flöte.

Das Kleingruppenkonzept ermöglichte sowohl individuelle musikalische Erfahrungen als auch ein gemeinsames, ganzheitliches Musikerleben. Erinnerungen wurden wach, Beziehungen wuchsen, und durch das sensible Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse entwickelte jedes Quartett eine ganz eigene Dynamik und ein tiefes Vertrauensverhältnis.

Stimmen aus dem Projekt

„Ich arbeite schon länger mit Senioren zusammen. In meiner Freizeit und auch teils beruflich mache ich sehr viel Musik. Das Zusammenzubringen macht mir unglaublich viel Spaß und ich fühle mich durch die Musik schnell mit den Menschen verbunden, obwohl ich sie kaum kenne. Auch die Menschen haben fast ausschließlich positive Gefühle, wenn sie Musik hören oder machen. Es ist schön, zu sehen, wie wir die Musik gemeinsam erleben können und es in dem Moment nicht um Krankheiten, Demenz oder Pflege geht, sondern nur um Musik, Erinnerungen und Gefühle.

Die Frau eines teilnehmenden Menschen setzte sich zum Ende unserer Stunde in den Raum, um zuzuhören. Danach kam sie zu mir und sagte: Ich hatte eben richtig Tränen in den Augen. Ich habe ihn lange nicht so glücklich gesehen.

Auch eine Teilnehmerin sagte mir: Schön, wie die Musik uns so ein Gemeinschaftsgefühl macht.

Anika Wißner, Musikalische Leitung