Das Projekt „Veedelstrommler“ bestand aus einer inklusiven Gruppe der Stationären- und Tagespflege, die sich alle zwei Wochen zum gemeinsamen Musizieren traf. Für etwa eine Stunde wurde mit der „Drum-Circles“-Methode gearbeitet und gemeinsam getrommelt. Diese Methode ermöglicht allen Teilnehmenden – unabhängig von musikalischer Erfahrung, Alter oder Einschränkungen – mitzuwirken und eignet sich gut als ergänzendes Format für Singkreise. Bei der Auswahl und Handhabung der Instrumente wurde auf individuelle Beeinträchtigungen Rücksicht genommen, sodass die Teilnehmenden ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit erfahren konnten.

Der Name „Veedelstrommler“ ergab sich aus dem Standort, denn ein „Veedel“ bezeichnet im kölschen Dialekt ein Stadtviertel.
Der Gruppe standen verschiedene leicht spielbare Rhythmusinstrumente zur Verfügung, deren Nutzung keine besonderen Vorkenntnisse erforderte. Beim gemeinsamen Trommeln im „Drum Circle“ entstanden berührende und bewegende Momente, die das Gemeinschaftsgefühl stärkten und zugleich eine hohe Aufmerksamkeit förderten. Dazu gehörte etwa, innerhalb der Gruppe einen stabilen Rhythmus zu finden und gemeinsam zu einem synchronen Ende zu gelangen.
Ein besonderer Höhepunkt war ein öffentlicher „Drum Circle“, an dem insgesamt 80 Personen teilnahmen und gemeinsam trommelten. Im Zentrum des Projekts stand jedoch nicht das Erreichen eines bestimmten Ergebnisses. Das Musizieren ermöglichte es den Teilnehmenden vielmehr, mit ihrer aktuellen emotionalen und kognitiven Situation in Kontakt zu kommen und einen konstruktiven Umgang damit zu finden. Die Fokussierung auf das „Hier und Jetzt“ sowie die Freude am gemeinsamen Spiel waren besonders für Angehörige entlastend.

Im Juni 2025 nahmen Auszubildende der Pflegeschule im Clarenbachwerk an einem „Drum Circle“ mit Interessierten aus der Stationären- und Tagespflege teil. Sie lernten in einem niedrigschwelligen Rahmen Menschen kennen, die sich in einem anderen, aber ebenfalls herausfordernden Lebensabschnitt befanden.
Alle Beteiligten profitierten gleichermaßen voneinander, und die Rückmeldungen der Auszubildenden fielen durchweg positiv und begeistert aus. Sie berichteten, dass es große Freude bereitet habe, selbst zu trommeln und zugleich die positiven Veränderungen bei den Senior*innen im Verlauf des Nachmittags zu beobachten. Viele von ihnen konnten Impulse für ihren weiteren Ausbildungsweg mitnehmen, und es wurde vielfältig Interesse an ähnlichen Projekten geäußert.
Stimmen aus dem Projekt
„Ich habe zum ersten Mal erlebt, wie Musik wirken kann und wie einfach die Trommeln zur Kommunikation und zum Ausdruck beitragen, auch ohne Worte. Ich hätte nicht gedacht, dass einfache Rhythmen so viel Nähe und Freude erzeugen können.“
„Für mich war neu, wie stark Musik als verbindendes Element zwischen den Be- wohner*innen und mir wirken kann.“
„Musik kann als Türöffner dienen und emotionalen Zugang schaffen.“
vers. Pflegeschüler*innen
„Ich beobachte beim Trommeln eine fast kindliche Freude bei der Exploration der Instrumente. Es entsteht beim gemeinsamen Musizieren eine Spielfreude, die sich auch im mimischen Ausdruck widerspiegelt. Nach dem Trommeln sind die Teilnehmenden viel kommunikativer. Es wird gelacht und untereinander gescherzt.
Das Trommeln ist für mich als Musiker eine neue Erfahrung. Ich begegne dem mit Neugier und komme gelegentlich auch an meine eigenen Grenzen. Diese Neugier, aber auch Akzeptanz meiner fehlenden musikalischen Fertigkeiten als Trommler, motiviert die Teilnehmenden meiner Gruppe sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Wenn Erwartungshaltungen und der (oft von außen auferlegte) Leistungsanspruch nicht mehr im Vordergrund stehen, entsteht die, Musik‘ und es kommt zu tiefen ‚Begegnungen‘, die der Sprache nicht bedürfen.
Das gemeinsame Musizieren ist eine Tätigkeit, die nicht immer planbar ist. Selbst Wiederholungen sind nie identisch. Viele Angebote in der Begleitung von Menschen mit einer Demenz zielen auf den Erhalt und das Anbieten von Strukturen, was auch essenzielle Bedürfnisse der Menschen abdeckt. Musik kann hier einen weiteren Aspekt in der Begleitung von Menschen mit einer Demenz beisteuern. Ich glaube, dass Musik in ihrer Ergebnisoffenheit dadurch besonders nah auch an den aktuellen emotionalen Bedürfnissen der Menschen ist. Gerade die ungeplanten Momente lockten den Beteiligten oft ein Lächeln auf die Gesichter.“
Jochen ten Hoevel, Projektleitender Musiktherapeut