Demenz (von lat. „de mentis“ / „weg vom Geist“) ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, bei denen mehrere geistige Fähigkeiten sich im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Eine Demenz kann verschiedene Ursachen haben; die häufigste ist die Alzheimer-Krankheit.
Neben dem Gedächtnis sind auch Aufmerksamkeit, Sprache, Auffassungsgabe, Denkvermögen und Orientierung von den Veränderungen betroffen. Es kommt zu Schwierigkeiten, sich zu verständigen, Situationen angemessen einzuordnen, Zusammenhänge zu erfassen, sich zurechtzufinden (örtlich und zeitlich), zu planen und zu organisieren. Dadurch fallen alltägliche Tätigkeiten zunehmend schwer oder sind nicht mehr wie gewohnt möglich. Häufig treten zusätzlich Veränderungen von sozialem Verhalten, Antrieb, Wirklichkeitsbezug oder Stimmung auf, z. B. Angst, Depression oder Unruhe.
Häufigkeit
In Deutschland leben aktuell ca. 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, nimmt mit dem Alter deutlich zu. Während bei den 60-Jährigen etwa eine von hundert Personen betroffen ist, ist es bei den 80-Jährigen bereits rund jede sechste und bei den über 95-Jährigen nahezu jede zweite Person. Aufgrund steigender Lebenserwartung und dem Älterwerden geburtenstarker Jahrgänge wird bis 2050 mit etwa 2,8 Millionen Betroffenen gerechnet.
Ursachen
Etwa 80 % aller Demenzerkrankungen gehen auf Veränderungen im Gehirn zurück, bei denen Nervenzellen nach und nach absterben (neurodegenerative Erkrankungen): Fehlerhaft verarbeitete Eiweißbestandteile (Proteine) verklumpen und schädigen die Nervenzellen; das Hirngewebe in der betroffenen Region schrumpft (Atrophie). Zu den neurodegenerativen Erkrankungen zählen vor allem die Alzheimer-Krankheit, die Lewy-Körperchen-Demenz und frontotemporale Erkrankungen.
Einige weitere häufige Ursache sind Durchblutungsstörungen der Hirngefäße, die ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen führen. Sie treten oft gemeinsam mit der Alzheimer-Krankheit auf, insbesondere im höheren Lebensalter, und können den Krankheitsbeginn beschleunigen sowie die Symptome verstärken.
Daneben existieren zahlreiche seltenere Ursachen wie andere neurologische Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Infektionen, Schädel-Hirn-Verletzungen, Tumoren, Blutungen und Vitamin- oder Hormonmangel. Nur in wenigen Fällen (unter 2 %) ist die Ursache behandelbar, sodass sich die geistigen Fähigkeiten wieder verbessern können.
Je nach Ursache und betroffener Hirnregion können die Symptome einer Demenz sehr unterschiedlich sein.
Behandlung
Die meisten Demenzerkrankungen sind bislang nicht heilbar. Um die Symptome zu lindern, gibt es jedoch ein breites Spektrum an medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Diese werden im Idealfall so ausgewählt und aufeinander abgestimmt, dass Betroffene und ihre Angehörigen zur richtigen Zeit die richtige Behandlung und Unterstützung erhalten.
Zu den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten zählen Antidementiva, Antidepressiva und Neuroleptika, die beispielsweise die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen verbessern oder Verhaltensänderungen mildern sollen. Darüber hinaus ist die allgemeine medizinische Grundversorgung wichtig, um für einen möglichst guten körperlichen Gesundheitszustand zu sorgen und etwaige Beschwerden frühzeitig behandeln zu können.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind besonders geeignet, um kognitive und alltagspraktische Fähigkeiten zu fördern, Verhaltensauffälligkeiten zu verringern und das Wohlbefinden zu verbessern. Ihre Wirksamkeit ist für viele Verfahren belegt. Je nach Ziel kommen z. B. kognitives Training, Ergo-, Physio-, Verhaltens-, Kunst- und Musiktherapie sowie Biografiearbeit zum Einsatz. Die Angebote sind je nach Demenzstadium unterschiedlich geeignet und teils ärztlich verordnungsfähig.
Angehörige
Wichtig sind außerdem auch die Unterstützung und Entlastung von Angehörigen, denn die meisten Menschen mit Demenz werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Betreuung und Pflege sind oft langjährig, zeitintensiv und körperlich wie emotional sehr belastend – meist geraten die Angehörigen ungeplant und unvorbereitet in diese Rolle. Wissen über das jeweilige Krankheitsbild, Austausch mit anderen und gezielte Unterstützungsangebote können helfen, Verhaltensweisen des Erkrankten einzuordnen und den Alltag besser zu bewältigen.
Detaillierte Informationen rund um das Thema Demenz finden sich auf der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V.: Deutsche Alzheimer Gesellschaft .
Quelle
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (Hrsg.) (2023). Demenz. Das Wichtigste (10. Aufl.).
