Weiterbildung Musikgeragogik Demenz (RLP)

Eine musikgeragogische Weiterbildung eröffnet Chorleiter*innen und Dirigent*innen neue Wege, mit älteren Menschen zu arbeiten. Von Grundlagenkursen (z. B. Fachhochschule Münster) bis zu demenzspezifischen Angeboten (LZG Rheinland-Pfalz) stärkt sie inklusive musikalische Praxis.

Für Chorleiter*innen und Dirigent*innen kann eine Weiterbildung im Bereich Musikgeragogik eine wertvolle Ergänzung der eigenen künstlerischen und pädagogischen Praxis sein. Sie eröffnet neue Zugänge zum Musizieren mit älteren Menschen und vermittelt Kompetenzen, um musikalische Angebote bewusst inklusiv, ressourcenorientiert und biografiebezogen zu gestalten – auch über klassische Konzert- und Probenformate hinaus.

Grundlegende Qualifizierungen in Form von Weiterbildungen bietet beispielsweise die Fachhochschule Münster mit ihren Hochschulzertifikatskursen Musikgeragogik . Vermittelt werden dort zentrale Inhalte wie musikgeragogische Grundlagen, musikalische Biografiearbeit, Sing- und Gruppenleitung sowie praktische Zugänge über Instrumente wie Tischharfe oder Ukulele. Ergänzt wird dies durch didaktische Methoden und interdisziplinäre Perspektiven, etwa aus Gerontologie, Akustik/Hörgeräteversorgung, Sterbebegleitung und Projektplanung. Teilnehmende lernen, musikalische Angebote gezielt auf unterschiedliche Bedürfnisse im Alter abzustimmen und neue Formen des gemeinsamen Musizierens zu entwickeln.

Eine spezialisierte Vertiefung – insbesondere im Hinblick auf Menschen mit Demenz – bietet die Weiterbildung „Musik schafft Beziehung“ der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz. Im Fokus steht die Frage, wie Musik gezielt Beziehung, Kommunikation und Teilhabe ermöglichen kann, wenn sprachliche Fähigkeiten nachlassen. Inhalte sind unter anderem:

  • musikpraktische Zugänge wie Singen, Rhythmusarbeit und niedrigschwelliges Instrumentalspiel
  • biografieorientiertes Arbeiten mit bekannten Liedern und musikalischen Erinnerungen
  • der Umgang mit herausfordernden Situationen in Gruppen mit demenziell veränderten Menschen
  • die Gestaltung von musikalischen Begegnungsräumen in Pflege, Quartier und Amateurmusik

Solche Weiterbildungen sind in der Regel berufsbegleitend angelegt und mit einem entsprechenden Workload verbunden: Sie umfassen mehrere Präsenzphasen, Selbstlernanteile sowie Praxisprojekte und sind daher auch mit Kosten verbunden. Im Gegenzug erhalten Teilnehmende nach einer Prüfungsleistung – häufig in Form einer Projektarbeit und deren Dokumentation – ein anerkanntes Hochschulzertifikat.

Neben diesen umfangreicheren Qualifizierungen gibt es auch kürzere Fortbildungsformate, etwa an Landesmusikakademien, die einzelne Aspekte der musikgeragogischen Arbeit praxisnah vermitteln. Darüber hinaus bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft  mit ihren Demenz Partner Schulungen einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema und grundlegendes Wissen für den Umgang mit Menschen mit Demenz.

Gerade für die Amateurmusik eröffnet diese abgestufte Weiterbildungslandschaft große Chancen: Je nach zeitlichen und finanziellen Ressourcen können Chorleiter*innen und Dirigent*innen passende Formate wählen und ihre Arbeit Schritt für Schritt weiterentwickeln. Chorproben, Ensemblearbeit oder offene Singangebote lassen sich so gestalten, dass auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen aktiv teilhaben können. Musik wird dabei nicht nur als künstlerisches Ergebnis verstanden, sondern als Mittel der Begegnung, der Aktivierung und des gemeinsamen Erlebens.