Bei der Wahl und Gestaltung des Probenorts sind vor allem Übersichtlichkeit und Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, da Menschen mit fortschreitender Demenzerkrankung zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Umgebung richtig wahrzunehmen und Gefahren angemessen einzuschätzen.
Es ist klar, dass gerade die Auswahl der Räumlichkeiten häufig kaum möglich ist und man eher versuchen muss, aus dem, „was man hat“, das Beste zu machen. Dennoch kann es hilfreich sein, sich über die Besonderheiten der Raumgestaltung sowie über zeitliche Strukturen im Klaren zu sein, falls es Gestaltungsspielräume oder Auswahlmöglichkeiten geben sollte.
Erreichbarkeit und Barrierefreiheit
Erreichbarkeit und Barrierefreiheit bilden die Grundlage für eine gelingende Teilnahme. Der Probenraum ebenso wie sanitäre Einrichtungen sollten barrierefrei zugänglich sein. Barrierefreiheit beginnt bereits vor dem Raum selbst (Zugang zum Gebäude, Parkplatz, Erreichbarkeit von der Bus- oder Bahnhaltestelle, möglichst kurze Wege, Fahrstühle/Treppen/Rampen etc.). Auch die allgemeine Erreichbarkeit des Probenorts (öffentliche Verkehrsmittel, Parkplätze) sollte mitbedacht werden.
Übergänge, Ankommen und Abschluss der Probe
Übergänge, Ankommen und Abschluss der Probe spielen für Menschen mit Demenzerkrankung eine zentrale Rolle. Ein ruhiges, nicht hastiges Ankommen – ggf. mit bereits geöffnetem Probenraum – sowie eine klare Begrüßung können Orientierung und Sicherheit fördern. Ebenso hilfreich sind wiederkehrende Rituale zu Beginn und zum Ende der Probe (z. B. ein Begrüßungs- oder Abschiedslied oder eine verbale Einordnung wie „Jetzt beginnen wir“ bzw. „Jetzt ist die Probe zu Ende“), um zeitliche Übergänge deutlich zu markieren und Verunsicherungen zu vermeiden.
Angebots- und Probendauer
Angebots- und Probendauer hängen von der Gruppenkonstellation und der Strukturierung der Probe ab. Es ist darauf zu achten, dass die Probenarbeit nicht zu lang ist (ca. 60 bis höchstens 90 Minuten – je nach Struktur oder entlastenden bzw. offenen Phasen – haben sich in vielen Formaten bewährt). Wenn Personen mit größerem organisatorischem Aufwand gebracht oder begleitet werden, darf sich diese Mühe – immer mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse – auch lohnen. Gleichzeitig sollte ausreichend Zeit für Pausen sowie für ein ruhiges Ankommen und einen klaren Abschluss eingeplant werden.
Uhrzeit und Tagesstruktur
Uhrzeit und Tagesstruktur sind sorgfältig zu bedenken. Faktoren wie Tageslicht bzw. Sonnenuntergang, Frequentierung öffentlicher Verkehrsmittel oder Zeitschaltungen von Beleuchtungen an Wegen und Zugängen spielen hierbei eine Rolle. Finden Angebote in Kooperation mit Einrichtungen der Altenhilfe statt und ggf. sogar in deren Räumen, sind günstige Zeitfenster für notwendige Abläufe unbedingt zu klären (z. B. Raumverfügbarkeit, Personalressourcen für Um- und Aufbau, Hol- und Bringdienste, Essenszeiten, Ruhephasen wie die Mittagsruhe, Besuchszeiten u. v. a. m.). Auch die Situation von Angehörigen, die ggf. noch berufstätig sind, sollte berücksichtigt werden. In vielen Einrichtungen haben sich ein später Vormittag oder der Nachmittag nach der Mittagsruhe als günstig erwiesen. Wiederkehrende, verlässliche Zeiten fördern Orientierung und Sicherheit.
Licht und visuelle Orientierung
Licht und visuelle Orientierung sind entscheidend, um Verwirrung oder Ängste zu vermeiden. Eine ausreichende Helligkeit ist daher wichtig; ideal ist Tageslicht. Bei künstlicher Beleuchtung ist zu bedenken, dass kaltweißes Licht von vielen älteren Menschen besser wahrgenommen wird als warmweißes. Flackernde Leuchtstoffröhren können irritierend oder ermüdend wirken. Eine gleichmäßige, stabile Lichtstimmung im Raum unterstützt zusätzlich die Orientierung.
Hör- und Sehhilfen sowie Raumakustik
Hör- und Sehhilfen sowie Raumakustik beeinflussen die Teilhabe maßgeblich. Hör- und Sehhilfen, sofern vorhanden, können das Zurechtfinden in der Probensituation erleichtern, insbesondere in größeren Räumen. Ggf. kann mit technischer Verstärkung oder Mikrofonen für Menschen mit Hörgeräten (z. B. FM-Anlagen o. ä.) gearbeitet werden. Darüber hinaus ist die Akustik des Raumes von großer Bedeutung: Stark hallende, sehr große oder akustisch unruhige Räume erschweren das Verstehen und können ermüden. Neben der Vermeidung von Störgeräuschen können einfache Maßnahmen wie Teppiche, Vorhänge oder Stellwände die Klangumgebung deutlich verbessern.
Konstanz, Wiedererkennbarkeit und Verlässlichkeit
Konstanz, Wiedererkennbarkeit und Verlässlichkeit tragen wesentlich zur räumlichen und zeitlichen Orientierung bei. Dazu zählen möglichst gleichbleibende Probenzeiten, ein vertrauter Probenraum, eine ähnliche Raumaufteilung sowie – wenn möglich – wiederkehrende Sitzplätze. Häufige Veränderungen können irritierend wirken und sollten vermieden oder zumindest klar angekündigt und begleitet werden.
Orientierungshilfen im Raum
Orientierungshilfen im Raum können zusätzlich Sicherheit vermitteln. Eindeutige Beschilderungen, eine gut sichtbare Uhr und ein Kalender helfen bei der zeitlichen Einordnung. Sichtachsen zur Garderobe oder nach draußen können ebenfalls Orientierung geben (z. B. zur Gewissheit, dass persönliche Gegenstände noch vorhanden sind oder zur Einordnung der Tageszeit). In größeren Projekten oder weitläufigen Gebäuden können (geschulte) Helfer:innen beim Finden des Raumes unterstützen oder als „wegweisende“ Ansprechpersonen fungieren.
Sitzordnung und räumliche Anordnung
Sitzordnung und räumliche Anordnung der Gruppe sollten bewusst gewählt werden. Je nach Gruppengröße und Format sind Sitzordnungen im Kreis oder in mehreren Reihen denkbar; dabei ist ausreichend Platz für Rollstühle einzuplanen. Es kann sinnvoll sein, gemischte Gruppen gezielt zu platzieren (z. B. Ehrenamtliche neben Menschen mit Unterstützungsbedarf) oder Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung näher an der anleitenden Person zu setzen, um direkte Ansprache und Teilhabe zu erleichtern. Rollatoren, Rollstühle oder Gehhilfen sollten möglichst in Sichtweite platziert werden und nicht als isolierte Plätze am Rand, um ein inklusives Setting zu fördern.
Sicherheits-, Rückzugs- und Notfallaspekte
Sicherheits-, Rückzugs- und Notfallaspekte sind ebenfalls mitzudenken. Die Vermeidung von Störquellen (z. B. Hintergrundgeräusche) sowie von Stolperfallen (z. B. lose Kabel oder Teppiche) reduziert Ablenkung und Sturzgefahr. Zusätzlich ist es hilfreich, Rückzugsmöglichkeiten zu kennen und klar zu regeln, wer im Bedarfsfall begleitet oder unterstützt – etwa bei Unruhe, Orientierungsverlust, Toilettengängen oder dem Wunsch, den Raum kurz zu verlassen. Auch Aspekte wie Raumtemperatur, Frischluftzufuhr und das Vermeiden von Zugluft tragen zum körperlichen Wohlbefinden bei.
Checklisten und detaillierte Hinweise zur Barrierefreiheit (in konzertbezogenen Settings) sind auch hier zu finden: Koch, K. & Reuschenbach, B. (Hrsg.) (2022). Konzerte für Menschen mit Demenz. Grundlagen – Durchführung – Erfahrungen. Stuttgart: Kohlhammer.
Teile dieses Beitrags sind in ähnlicher Form im Begleitmaterial zur Demenz Partner Schulung „Musizieren in Chören und Instrumentalensembles“ zu finden, die 2024/25 in Kooperation des BMCO mit der PH Karlsruhe und dem Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg entwickelt und auf der Homepage der Initiative Demenz Partner veröffentlicht wurde.
Quelle
Siegl, J. (o. J.). Demenzgerechte Raumgestaltung
Online: Demenzgerechte Raumgestaltung (zuletzt aufgerufen am 12.09.2025).