Wer sich mit dem Thema demenzsensible Konzertformate beschäftigen möchte, findet inzwischen eine wachsende Zahl an Informationsquellen. Musik kann ein wichtiger Schlüssel zur inneren Erlebniswelt von Menschen mit Demenz sein und zugleich Brücken zur Außenwelt schlagen: Konzerte ermöglichen Begegnungen zwischen Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden und weiteren Kulturinteressierten und fördern so soziale und kulturelle Teilhabe.
Eine zentrale Grundlage bietet der Sammelband Konzerte für Menschen mit Demenz. Grundlagen – Durchführung – Erfahrungen von K. Koch und B. Reuschenbach (2022, Stuttgart: Kohlhammer Verlag). Die Publikation richtet sich an Akteur:innen aus Konzertwesen, Altenpflege und Musikvermittlung und bietet sowohl theoretische Hintergründe als auch konkrete Hinweise zur Umsetzung. Neben Grundlagen aus Musikgeragogik, Gerontologie und Pflege werden praxisnahe Gelingensbedingungen sowie vielfältige Beispiele aus unterschiedlichen Konzertsettings vorgestellt. Dazu zählen unter anderem Projekte wie die Konzertreihe „Ferne Klänge“ der Elbphilharmonie Hamburg, Kammermusikformate des Westdeutscher Rundfunk, Angebote der Oper Köln oder partizipative Ansätze wie „Operamobile“. Auch internationale Initiativen wie „Power of Music & Dementia“ der Songwriterin Beatie Wolfe zeigen die Bandbreite möglicher Formate.
Eine besonders praxisnahe Ergänzung stellt die Dokumentation von Auf Flügeln der Musik aus dem Jahr 2013 dar. Das zugrundeliegende Pilotprojekt verfolgte das Ziel, speziell auf Menschen mit Demenz zugeschnittene Konzert- und Rahmenprogramme zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren. Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen wurden in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis sowie im Austausch mit Betroffenen zentrale Gelingensbedingungen erarbeitet. Ein besonderer Fokus lag dabei auch auf der Unterstützung von Kulturschaffenden: Konzerthäuser, Musikhochschulen, Konzertpädagog:innen und Musiker:innen wurden durch Beratung, Schulungen und Vernetzungsangebote begleitet, um dieses Arbeitsfeld zu erschließen. Für seinen innovativen Ansatz wurde das Projekt 2014 mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung ausgezeichnet. Die Ergebnisse sind in folgender Publikation dokumentiert:
Nebauer, F. (2013): Auf Flügeln der Musik. Konzertprogramme für Menschen mit Demenz. Ein Pilotprojekt zur Kulturteilhabe von Menschen mit Demenz durch neue Ansätze der Musikvermittlung. Remscheid: Institut für Bildung und Kultur e. V. / kubia.
Darüber hinaus zeigt ein Blick ins Internet, dass sich zahlreiche weitere Informationen und Praxisbeispiele leicht recherchieren lassen. So bietet etwa die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit „Musik unvergessen“ eigene Konzertformate für Menschen mit Demenz an. Auch kommunale Anbieter wie die Stadt Speyer integrieren entsprechende Angebote in ihr Kulturprogramm. Weitere Beispiele sind die „Seelenbalsam“-Konzerte der Württembergische Philharmonie Reutlingen sowie die Reihe „Musik im Kopf“ des Desideria Care e.V. Diese Vielfalt macht deutlich, dass demenzsensible Konzertformate in unterschiedlichen Kontexten entstehen und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Spannend sind auch die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt, das von Arthur Schall und Valentina Tesky von 2023 bis 2024 durchgeführt wurde. Hier wurden interaktive Gesprächskonzerte für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen evaluiert. Das Projekt wurde von der Stiftung Tangente gefördert und fand in Kooperation mit der Kronberg Academy statt.
Für die eigene Praxis – auch in der Amateurmusik – lohnt es sich daher, sowohl auf Fachliteratur als auch auf frei zugängliche Online-Ressourcen zurückzugreifen. Sie bieten wertvolle Anregungen, Hintergrundwissen und konkrete Beispiele, um eigene demenzsensible Konzertformate zu entwickeln und umzusetzen.