Projektidee
Im neu gegründeten Gospelchor „Lebenslied“ durften im Rahmen des Projekts „Zusammen Singen, zusammen im Leben bleiben“ die teilnehmenden Menschen mit Demenz ganz neu oder endlich wieder zu Sänger*innen werden. Dabei wurden bewusst Lieder gewählt und gesungen, die es ermöglichen, Erinnerungen zu wecken und sich im Anschluss auch darüber auszutauschen.

In den zahlreichen gemeinsamen Proben fanden viele der Teilnehmenden so ihre Stimme wieder und wurden selbstbewusster, fröhlicher und aufgeschlossener. Plötzlich und ganz unkompliziert erinnerten sich manche wieder an die zweite Stimme bekannter Volkslieder, die sie früher gesungen hatten. Andere hörten zunächst nur zu und fühlten sich dank der ungezwungenen Atmosphäre in der Gruppe und der feinfühligen Begleitung durch die Chorleiterinnen schließlich ebenfalls in der Lage mitzusingen. Auch durch den Einsatz von Klang- und Rhythmusinstrumenten konnten sich die Anwesenden einbringen, mitmusizieren und am Gesamtwerk teilhaben.
Dank der Unterstützung zahlreicher Kooperationspartner*innen konnte die erarbeitete Musik über den Probenraum hinaus mit anderen geteilt werden – unter anderem in verschiedenen Kirchen, im Stadtmuseum und in der Stadtbibliothek, wo eine musikalische Lesung große Resonanz fand.
Der Auftritt des bunt gemischten Chores zum Projektabschluss fand so großen Anklang, dass prompt weitere Konzerte angefragt und umgesetzt wurden. Der Chor „Lebenslied“ besteht auch nach dem Projekt fort und wird in Trägerschaft des Netzwerks „Demenz Parchim“ weitergeführt und gefördert. Zudem sollen die Formate „musikalischer Spaziergang“ und „musikalische Lesung“ für die städtischen Kultureinrichtungen weiterentwickelt und dauerhaft in das Programm aufgenommen werden.
Stimmen aus dem Projekt
„Vor zwei Jahren wollte ich bereits einen Demenz-Chor gründen. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass es bei ‚Länger fit durch Musik!‘ eine Förderung gibt. Da mussten wir uns natürlich bewerben. Ich kriege Gänsehaut, eine nach der anderen. Mir ist es wichtig, das Thema Demenz nicht zu tabuisieren, sondern mit den Menschen mitzufühlen und sich in die Lage hineinzuversetzen, sich also reinzufühlen.”
Julia Spiering, Klangarbeiterin und Musikerin
„Eine Teilnehmerin, die zuerst nur zuhörte und Rhythmusinstrumente nutzte beteuerte immer wieder, sie könne gar nicht singen, das hätten schon in der Schule alle zu ihr gesagt. Nach ca. fünf Proben begann sie leise mitzusingen, wurde mutiger und hörbarer. Nach unserem Auftritt sagte sie voller Freude: Das hört sich doch richtig gut an, wenn ich hier mit euch zusammen singe!“
Sabine Uhlig, Koordinatorin des Netzwerk Demenz Parchim