Technik als Brückeschlag zur Teilhabe
Ein großer Raum, eine Leinwand, darauf groß und gut lesbar: „Die Gedanken sind frei…“. Alle singen mit – auch diejenigen, die sonst Schwierigkeiten hätten, die richtige Seite im Textheft zu finden oder kleine Schriftgrößen zu entziffern. Die Projektion von Liedtexten, Bildern oder GIFs kann hierbei für ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen wie einer Demenz sehr hilfreich sein: Sie erleichtert die Orientierung, bündelt die Aufmerksamkeit nach vorne zur Leitung und schafft durch klare visuelle Impulse einen barriereärmeren Zugang für alle.
Nachgefragt: Graphics Interchange Format kurz GIF: Ein kurzes, sich wiederholendes Bild oder eine kurze Animation ohne Ton. Meist Darstellung schneller Reaktionen, Humor oder Bewegungsabläufe.
Zusätzlich fallen durch die großflächige Projektion viele der typischen Herausforderungen weg, die bei haptischen, visuellen oder kognitiven Einschränkungen entstehen können – etwa das Halten oder Umblättern eines Heftes, das Suchen des richtigen Liedes oder das Entziffern zu klein oder unscharf abgedruckter Texte. Wenn Musik, Bewegung und Bild zusammenwirken, entsteht ein multisensorischer Zugang, der besonders in der demenzsensiblen Arbeit wertvoll ist. So wird die digital unterstützte Gestaltung zu einer hilfreichen Ergänzung: ein barrierearmes, modernes Werkzeug, das neue Wege zur kulturellen und sozialen Teilhabe eröffnet.
Tipps aus der Praxis
Liedtexte & Noten projizieren
- Große, kontrastreiche Schrift (mind. 60 pt)
- Klare Gliederung durch Farben oder Absätze (weniger Text ist mehr!)
- Keine Ablenkung durch zu viele Elemente auf einer Folie
- z. B. Quodlibet-Texte mit unterschiedlichen Hintergründen
Bilder als emotionale Impulse
- Fotos zur Einstimmung (z. B. Naturbilder zu thematisch passenden Liedern)
- Piktogramme/Pfeile/Zeichen für Einsätze, Wiederholungen, Zwischenspiele & Co.
Visuelle Impulse setzen und Motivation fördern
GIFs beim Warm-Up einsetzen, um stimmbildnerische Methoden zu unterstützen.
Technische Umsetzung – niedrigschwellig gedacht

- Minimal-Setup: Laptop oder Tablet (o. Ä. zum Abrufen der Präsentation), Beamer (ab 2000 Lumen), weiße Wand oder Leinwand, Verlängerungskabel
- Software: PowerPoint, LibreOffice Impress oder Canva
- Tipp: Präsentationen offline speichern -> Unabhängigkeit von WLAN-Verbindung
Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Eine Übung aus dem Warm-Up wird durch die Abbildung visuell unterstützt.

https://tania-schnagl.de/musikunterricht/bildkarten/articles/bodypercussion
Beispiel 2: Die Windräder (GIFs) setzen sich nach und nach während der Atemübung in Bewegung. Aktivierung erfolgt durch Leitung.

Quelle: https://de.freepik.com
Beispiel 3: Fallende Blätter (GIF) animieren zum Strecken und imaginären Blätter“fangen“

Quelle: https://pixabay.com/de/gifs/bl%c3%a4tter-blatt-herbst-ahorn-farbe-8724/
Beispiel 4: Der Flugverlauf der Biene (rot dargestellt) unterstützt die Summ-Übung im Rahmen des Warm-Ups

Quelle: https://www.strowayer.de
Beispiel 5: Eine Übung aus dem Warm-Up wird durch die Abbildung visuell unterstützt.

Beispiel 6: KI-generiertes Bild
„Fröhlicher Kaktus“

Auszug des Refrains des Liedes „Mein kleiner grüner Kaktus“. Schrift: Avenir Next in Fettschrift, Textgröße 120 pt:

Beispiel 7: Übungen zum Warm-Up wird zunächst gesprochen (versch. Modi wie „Zauberspruch“ usw.)…

… und danach gesungen:

Beispiel 8: Gedächtnistraining mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“.

Schrift: Avenir Next, fett, 120 pt.

Beispiel 9: Quodlibet der Lieder „Es tönen die Lieder“ und „Himmel und Erde“. Schrift: Avenir Next, fett, 70 pt. Die unterschiedlichen Hintergrundfarben erleichtern die Orientierung.






Isabelle Villmar
Musikgeragogin