RHYTHMIK – Wechselbeziehung von Musik – Bewegung – Sprache
Rhythmik versteht sich als lebendige Wechselbeziehung von Musik, Bewegung und Sprache. Sie spricht den Menschen ganzheitlich an und schafft Räume für Wahrnehmung, Ausdruck, Begegnung und Kreativität. Die hier gesammelten Übungen sind aus der rhythmisch-musikalischen Praxis entstanden und laden dazu ein, Rhythmus nicht nur zu hören, sondern mit dem ganzen Körper zu erleben.
Es soll eine kleine Sammlung an vielfältigen spielerischen, aktivierenden und strukturierenden Impulsen für Gruppen unterschiedlichster Zusammensetzung sein. Ob zur Auflockerung, zur Förderung von Rhythmusgefühl und Koordination, zur Vorbereitung auf das Singen oder Musizieren oder zur bewussten Wahrnehmung von Takt, Phrasierung und Dynamik – die Übungen sind flexibel einsetzbar und lassen sich leicht an Alter, Gruppengröße und Setting anpassen.




Im Mittelpunkt steht dabei immer das gemeinsame Tun: das miteinander in Bewegung Kommen, das aufeinander Hören und Reagieren sowie das Erleben von Musik als verbindende Kraft. Die Offenheit der Aufgaben lädt zum Variieren, Weiterentwickeln und eigenen Gestalten ein – ganz im Sinne einer lebendigen, prozessorientierten Rhythmik.
Beispiele
Klatschfalle
2 Personen stehen sich gegenüber und klatschen im Metrum abwechselnd – sodass ein Klatschkreuz entsteht – Livemusik spielt und kann das Tempo variieren – zwischendurch allein durch den Raum gehen und ein neues „Opfer“ für die Klatschfalle finden. Wieder spielen die beiden Personen im Takt abwechselnd im Klatschkreuz. Es können auch bekannte Lieder dazu ein- oder mehrstimmig gesungen werden.

Rhythmisch-metrischer Impuls – Zahlenreihe
Die Gruppe steht im Kreis oder in Choraufstellung in Reihen hintereinander und es wird der Reihe nach gezählt: 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4 – danach wird die 1 mit einem Körperklang (Bodypercussion) ersetzt; z.B. Klatsch, 2, 3, 4, klatsch, 2, 3, 4 … danach wird auch die 2 mit einem Körperklang ersetzt z.B. klatsch, überkreuzt beide Schultern klopfen, 3, 4, … Danach ebenso die 3 z.B. mit Wischen des rechten Armes von oben nach unten, und die 4 mit einem Stampfen auf den Boden oder Patschen auf die Oberschenkel … so entsteht aus der Zahlenreihe eine Perkussionsreihe.
Rhythmus/Instrumentalensemble
4 Körperklänge mit der Gruppe entwickeln – 4, 8 oder 16 x einen Körperklang spielen, dann rhythmisch musikalisch zum nächsten Wechseln (ohne Pausen), dazu wird Livemusik gespielt von einer kleinen Ensemblegruppe – danach wechseln die beiden Gruppen – Rhythmusgruppe mit Körperklängen und Musikensemble (alternativ Musik vom Tonträger).
Verfolgungsjagd – Auflockerung innerhalb der Gruppe
und Wechsel vom Sitzen oder Stehen: Freie Bewegung im Raum zur Musik (live oder Tonträger), dann eine Person aus der Gruppe anfangs möglichst „unauffällig“ verfolgen und bei Musikstopp die rechte Schulter dieser Person berühren (die Körperteile der Berührung werden vorweg mit der Gruppe vereinbart).

Auflockerung – einen punktierten Rhythmus
Zuerst gemeinsam auf verschiedenen Körperteilen klopfen (Galopprhythmus), danach findet jede Person einen eigenen „sound“ mit dem Rhythmus auf dem Körper – frei im Raum damit gehen und eine andere Person treffen – nonverbal die beiden Körperklänge tauschen – und im Raum weitergehen. Am Ende treffen sich alle im Kreis – zeigen ihren letzten Körperklang – alle raten, von welcher Person das „Original“ kam und ob es verändert wurde.
Taktzeiten gestalten
Mit der Gruppe ein 4-silbiges Wort finden (4 Taktzeiten): Herbst – spa – zier – gang; freie Bewegung durch den Raum – jede Person entscheidet sich, auf welcher Taktzeit sie/er klatscht (oder schnipst, …); die Personen mit den gleichen Taktzeiten finden sich rasch – dazu Livemusik oder singen! Bei den Wiederholungen immer eine neue Taktzeit wählen.
Vitalisierung des Körpers
vor und während dem Singen oder dem Orchesterspiel: 6 x alle Fingerspitzen über den Kopf aneinander tippen; 6 x mit den Fingern auf den Kopf tippen; 6 x auf die Schultern tippen; 6 x auf die Oberschenkel tippen; und wieder von vorne beginnen – in einem rhythmisch-metrischen Bewegungsablauf bleiben – mit Livemusik dazu; danach alles nur 5 x, beim nächsten Durchlauf 4 x, beim nächsten Durchlauf 3 x, dann 2 x und zum Schluss 1 x.

Zahlenschreiben – Lockerung der Körpermitte
Alle stehen im Raum und „malen“ eine liegende Acht mit der Hüfte – im Bewegungsfluss bleiben.Variation: eine Rechnung schreiben z.B. 5 + 7= 12; alle Zahlen mit der Hüfte (Körpermitte) schreiben; Variation: jede Person schreibt bewegend ihr/sein Geburtsdatum.
Phrasierung von Liedern
Lieder singen und die Phrasierung der Liedmelodien mit den Armen weit über den Kopf „mit malen“ von rechts nach links – von links nach rechts;Variation: zu zweit die Phrasierungsbögen mit einem Material bewegen (Noppenbälle).
Taktwechsel
Worte zu einem Thema in vielen Taktarten mit der Gruppe sammeln, z.B. 2/4: Wald – weg; 3/4: Wald – mei – ster; 4/4: Wald – spa – zier – gang; 5/4: Wald – mei – ster – bow – le; 6/4: Wald – a -mei – sen – hü – gel; die Worte 2 x oder 4 x sprechend wiederholen; Variation: einen Tennisball auf der Taktzeit 1 prellen; Variation: mit Rhythmusinstrumenten wie z.B. Holzstäbchen klopfen; Variation: zu zweit ein Kirschkernsäckchen dabei zuwerfen.


Monika Mayr
Rhythmikerin, https://www.monika-mayr.de/