Allein oder im Team?

Demenzsensible Chor- und Ensemblearbeit ist Teamarbeit. Der Beitrag gibt praxisnahe Einblicke, wie interdisziplinäre Netzwerke Proben unterstützen, Teilnehmende begleiten und Angebote langfristig absichern können.

Eine Person spielt am Keyboard, im Hintergrund sitzen Senior*innen und singen gemeinsam.
Foto: Rebecca Krämer

Demenzsensible Chor- und Ensemblearbeit geschieht nie im Alleingang. Im Mittelpunkt steht die Person mit Demenz – doch rundherum braucht es viele Menschen und Strukturen, die unterstützen und ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise Angehörige und Freund*innen ebenso wie Pflegekräfte, ehrenamtliche Mitsänger*innen oder Begleiter*innen, die praktische Hilfe leisten, etwa beim Bringen und Holen oder bei der Probenbegleitung.

Auch Beratungsstellen, Kirchengemeinden, Fachnetzwerke oder regionale Demenzinitiativen können wichtige Partner sein, z. B. bei der Bewerbung eines Formats, durch Expertise oder entsprechende Netzwerke, die ggf. für Musiker*innen nicht unmittelbar ‚auf dem Schirm‘ waren. Ebenso spielen Medien und das Internet eine Rolle, wenn es um Information, Vermittlung oder Öffentlichkeitsarbeit geht.

Solche Netzwerke sind nicht nur hilfreich für die Organisation, sondern auch für die Teilnehmenden selbst. Sie tragen dazu bei, dass Angebote nachhaltig bestehen können, weil die Aufgaben auf viele Schultern verteilt, Expertisen eingebunden und unterschiedliche Akteur:innen entlastet werden. Außerdem ermöglichen sie interdisziplinäre Zusammenarbeit – Musikpädagogik, Pflege, Sozialarbeit, Ehrenamt und Angehörige greifen ineinander und bringen sich auf ihre Weise für die Menschen mit Demenz ein.

Vorteile eines interdisziplinären Teams/Netzwerks für demenzsensible Angebote

Nahaufnahme von Händen einer älteren Person, die sich zur Musik bewegen.
Foto: Rebecca Krämer
  • Entlastung der musikalischen Leitung durch Unterstützung während der Proben.
  • Individuelle Begleitung der Teilnehmenden (z. B. bei Unsicherheiten, Rückzug oder besonderen Bedürfnissen).
  • Hol- und Bringdienste ermöglichen Teilhabe auch bei eingeschränkter Mobilität.
  • Mehr Sicherheit und Kontinuität durch die Einbindung von Angehörigen, Pflegekräften und Ehrenamtlichen.
  • Fachlicher Austausch und Beratung aus unterschiedlichen Perspektiven (z. B. Musik, Pflege, Demenz, Geragogik, Sozialarbeit).
  • Zugang zu finanzieller Förderung, geeigneten Räumen und organisatorischer Infrastruktur durch Vernetzung z. B. mit Beratungsstellen, Kirchengemeinden und lokalen Initiativen.
  • Stärkung von Gemeinschaft und Zugehörigkeit über das eigentliche Angebot hinaus.
  • Nachhaltigkeit durch geteilte Verantwortung und verlässliche Strukturen.

Praktische Beispiele für mögliche Netzwerkpartner

  • Alzheimer Gesellschaften – z. B. die Deutsche Alzheimer Gesellschaft mit Landes- und Ortsverbänden.
  • Regionale Demenznetzwerke – viele Städte und Landkreise haben eigene Portale, z. B. Demenz-Service NRW.
  • Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbände – etwa Caritas oder Diakonie.
  • Musiknetzwerke – wie der Chorverbände, der BMCO oder die DGfMG.
  • Pflegestützpunkte – regionale Beratungsstellen, die unter pflegestuetzpunkte.de gefunden werden können.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie vielfältig Netzwerke in der Praxis aussehen können: Chorleiter*innen, Musikvereine, Musiker*innen und lokale Allianzen für Menschen mit Demenz finden jeweils eigene Wege, Musikprojekte aufzubauen:

  • „Ich bin Chorleiterin und besuche mit meinem Chor regelmäßig eine Senioreneinrichtung für ein gemeinsames Singangebot.“
  • „Ich bin Musiker und gestalte in Kooperation mit der lokalen Allianz für Menschen mit Demenz eine regelmäßige Musikstunde für Familien, die von Demenz betroffen sind. Unterstützt werde ich von Ehrenamtlichen.“
  • „Wir sind ein Musikverein und kooperieren mit einer Pflegeeinrichtung. Wir schulen ehrenamtliche Musiker*innen, damit sie Mitmachkonzerte für Menschen mit und ohne Demenz gestalten können.“

Deutlich wird: Es gibt nicht das eine Modell, sondern viele unterschiedliche Ansätze. Gemeinsam ist ihnen, dass durch Kooperation und Vernetzung Möglichkeiten geschaffen werden. Die Erfahrung aus unterschiedlichen Projekten zeigt, dass Kooperationen und konkrete fachliche oder ehrenamtliche Unterstützung im Kontext Proben sehr wichtig für das Gelingen ‚demenzsensibler‘ Ensemblearbeit sind.


Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form im Begleitmaterial zur Demenz Partner Schulung „Musizieren in Chören und Instrumentalensembles“ zu finden, die 2024/25 in Kooperation des BMCO mit der PH Karlsruhe und dem Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg entwickelt und auf der Homepage der Initiative Demenz Partner veröffentlicht wurde.